London. So etwas hat die Queen noch nicht erlebt, vor ihrer Haustür. Ein Popkonzert für ihre Familie vor den Toren des Buckingham-Palastes gab es noch nie. Am berühmten Rondell um das Victoria-Denkmal, von ihrem Balkon aus bestens zu sehen, war die Bühne für hunderte singende Gratulanten aufgebaut. Es sollte, am dritten von vier Feiertagen zu ihrem Diamantenen Dienstjubiläum, ein elektronisch verstärktes Ständchen ganz besonderer Art werden.

Im schwindenden Licht wurde der Palast sanft zum Vibrieren gebracht. Auf der ganzen Mall, der Prachtstraße zum Trafalgar Square hinunter, hatten sich die Massen bereits am späten Nachmittag versammelt. Zehntausend Konzertgänger, die freie Eintrittskarten erhalten hatten, hatten sich zur Queen am Denkmal gesellt. Eine halbe Million versuchte ohne Tickets zum Buckingham-Palast vorzustoßen.

Gekommen waren sie, um die großen Musiker-Namen aus der langen Zeit der "elisabethanischen Ära" zu erleben. Angeführt wurde die Liste ja von Künstlern, die Ihre Majestät selbst in den Ritterstand erhoben hatte. Sir Paul McCartney und Sir Tom Jones, Dame Shirley Bassey und Sir John Elton waren darunter. Und natürlich Sir Cliff Richard, der musikalisch zu jedem ihrer sechs Dienst-Jahrzehnte etwas beitragen kann.

Die Briten, so scheint es, wollen auch nach der großen Flottenparade am Sonntag nicht aufhören zu feiern. Noch immer wurden am Montag Stühle und Tische auf die Straßen gestellt. Wohin man kommt im Königreich, grüßen einen die blauweißroten Farben. Union Jacks mit dem Konterfei Elizabeths II. scheinen das halbe Land zu zieren. Torten in Kronen-Form sind gebacken, Tische in den Nationalfarben gedeckt worden. Ganze Wohnstraßen hat man zum Feiern abgesperrt. Man prostet sich zu, auf gute Nachbarschaft, und lässt die Königin hoch leben. "Rule Britannia" dröhnt einem aus allen Lautsprechern entgegen. Und der Sekt - der "Bubbly" - fließt in Strömen. Sieben Millionen Menschen sollen an den Partys bereits teilgenommen haben. Wo es zu regnen beginnt, setzen sich Partygänger mit Anoraks, Kapuzen, bunten Schirmen fest. Darüber, dass die Feierlichkeiten der Downing Street beim ersten Anzeichen von Bewölkung gleich von der Straße ins Haus verlegt wurden, können wetterfeste Royalisten nur die Köpfe schütteln. Der Regen, meinen sie, bringe doch gerade "den britischen Charakter so recht heraus".

Allerdings gab es auch schlechte Nachrichten für die Queen: Prinzgemahl Philip, Herzog von Edinburgh, musste wegen einer Blasenentzündung in ein Londoner Krankenhaus gebracht werden. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie der Buckingham-Palast versicherte. Prinz Philip versäumte das Konzert vor dem Palast, auch an dem Dankgottesdienst am heutigen Dienstag in der St.-Paul’s-Kathedrale mit anschließender Kutschenfahrt durch die Innenstadt nimmt er nicht teil.