Wien. (kats) Und wieder gibt es eine neue Studie zu Bildung und Integration. Das Papier "Hebel zu einer kompensatorischen Bildung" des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft wurde am Donnerstag in der Industriellenvereinigung (IV) von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz vorgestellt.

Im Zuge der nicht repräsentativen Studie wurden neun Experten im Bereich der Jugendarbeit und 34 Jugendliche mit Migrationshintergrund interviewt. Die Ergebnisse: Sowohl in bildungsnahen wie auch in bildungsfernen Familien gibt es ein großes Interesse am Bildungsaufstieg der Kinder. Dass dieser dann oft nicht gelingt, liegt unter anderem daran, dass die Eltern zu schlecht über die möglichen Schullaufbahnen der Kinder informiert sind, problematisch ist auch das Schwänzen als "Einstieg in den Bildungsausstieg", wie es Autor Bernhard Perchinig formuliert. Bemängelt wird, dass das Schicksal schwänzender Schüler nach Ende der Schulpflicht niemanden mehr interessiert. Eine Rolle spielen auch Erziehungsstil und Geschlechterrollen: Je traditioneller und autoritärer eine Familie, desto geringer der Bildungserfolg der Kinder.

Die Autoren der 60.000 Euro teuren Studie, die im Auftrag der IV von Staatssekretariat, Unterrichtsministerium, Caritas, AMS und Erste Bank finanziert wurde, geben auch einige Empfehlungen ab: Unter anderem müsse es eine bessere aufsuchende Elternbildung und ein "Buddy"-System geben - also Freiwillige mit ähnlichem sozioökonomischen Hintergrund, die Jugendliche unterstützen. Um das Schwänzen einzudämmen, empfehlen die Autoren die verpflichtende Einschaltung von Schulsozialarbeitern und eine Schul- und Ausbildungspflicht bis zu Volljährigkeit.

Kurz für mehr Förderung

AMS-Vorstand Johannes Kopf verwies darauf, dass die Gefahr, arbeitslos zu werden, für Pflichtschulabsolventen drei Mal so hoch ist wie für Lehrabsolventen (siehe Grafik). Caritas-Präsident Franz Küberl sprach sich für eine Qualitätsoffensive für die Kindergärten aus. Kurz nutzte die Gelegenheit und wiederholte seine Forderung nach einem zweiten und dritten verpflichtenden Kindergartenjahr. Von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, die der Veranstaltung fernblieb, verlangte er Maßnahmen gegen Schulpflichtverletzungen. Auf die Frage, welche Schritte er aus den - nicht unbedingt neuen - Studienergebnissen ableitet, sprach er sich für mehr Ganztagsangebote sowie einen Ausbau der sprachlichen Frühförderung und der Hausbesuchsprogramme aus.