Wien. Österreich hat in Sachen künstliche Befruchtung eines der strengsten Gesetze europaweit. So sind lesbische Paare oder alleinstehende Frauen dezidiert davon ausgenommen. Allerdings gibt es Anzeichen einer Lockerung: Die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt hat sich schon im April für die Zulassung lesbischer Paare oder alleinstehender Frauen ausgesprochen - sehr zur Freude von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Die ÖVP sieht hingegen keinen Änderungsbedarf - und argumentiert mit dem Kindeswohl.

Das Recht auf Vater und Mutter sieht die Kirche in Regenbogenfamilien gefährdet. - © Liddy Hansdottir - Fotolia
Das Recht auf Vater und Mutter sieht die Kirche in Regenbogenfamilien gefährdet. - © Liddy Hansdottir - Fotolia

Von sich aus wird diese Regierung wohl keine Änderungen vornehmen. Aber womöglich könnte sie dazu gezwungen werden. Die Sache ist nämlich auch beim Verfassungsgerichtshof anhängig. Zwar steht die Prüfung des Verbots noch nicht auf der Tagesordnung der derzeit laufenden VfGH-Session, aber "im nächsten dreiviertel Jahr, frühestens im Herbst" ist laut einem Sprecher mit einer Entscheidung zu rechnen.

"Zahlreiche gesundheitliche und psychische Probleme"


Mit dem Thema künstliche Befruchtung haben sich auch die österreichischen Bischöfe bei ihrer Sommervollversammlung diese Woche in Mariazell beschäftigt. Das Ergebnis: Die österreichischen Kirchenoberen befinden, "In-Vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik sind abzulehnen", wie es in einer Aussendung von "kathpress" heißt. Die Bischöfe argumentieren mit "zahlreichen ethischen, gesundheitlichen und psychischen Problemen rund um die Reproduktionsmedizin". "Schwerwiegende Einwände erheben sie auch gegen künstliche Befruchtung in Fällen, in denen das ,Recht der Kinder auf Vater und Mutter‘ von vornherein missachtet wird." Obwohl nicht explizit erwähnt, meint genau das die strittige Frage der künstlichen Befruchtung für Alleinstehende oder gleichgeschlechtliche Paare.

Für Christian Högl von der Homosexuelleninitiative "Hosi" ist diese Haltung der Kirche "wenig überraschend", aber letztlich sei die Kirche ein "leider sehr einflussreicher Verein", der selbst über seine Regeln entscheiden könne, wobei die "Basis weit progressiver" sei. Zwar würden sich wegen der Pfarrerinitiative in der Kirche "gewisse Dinge bewegen, aber bei Kindern hört sich der Spaß offensichtlich auf".

Högl ist überzeugt, "Kinder leiden nicht darunter, gleichgeschlechtliche Eltern zu haben". Auch bei Heterosexuellen würden Kinder in Familien geboren, die völlig überfordert seien. Trotzdem gibt es massive Hürden für sogenannte Regenbogenfamilien. So ist etwa die Adoption der Partnerkinder selbst in eingetragenen Partnerschaften nicht möglich. Anzeichen, dass sich diesbezüglich etwas ändert, sieht Högl nicht. Zwar gebe es den dezidierten Wunsch der SPÖ dahin gehend, aber solange es eine "rechte Mehrheit im Parlament" (gemeint sind ÖVP, FPÖ und BZÖ) gebe, "wird sich da nichts ändern".

Damit will sich Frauenministerin Heinisch-Hosek allerdings nicht zufrieden geben. "Regenbogenfamilien sind eine gesellschaftliche Realität. Es ist höchste Zeit, dass wir in der Politik auf diese Entwicklung reagieren", sagt sie auf Nachfrage der "Wiener Zeitung".