Paris. Ein fatales Zusammenfallen sowohl technischer als auch menschlicher Aussetzer und die Überforderung der Crew in einer Ausnahmesituation - das führte der französischen Flugunfallermittlungsbehörde BEA zufolge zum Absturz eines Airbus A 330-200 am 1. Juni 2009.

228 Passagiere und Crew-Mitglieder sollte der Flug AF 447 von Rio de Janeiro nach Paris bringen. Doch gut drei Stunden nach ihrem Start stürzte die Maschine in den Atlantik. Alle Insassen starben. Das Drama gilt als größtes Unglück der französischen Luftfahrtgeschichte und bislang auch als eines der mysteriösesten, das die schmerzvolle Frage nach dem Warum lange offen ließ. Wie konnte das passieren? Am Donnerstag gab die BEA ihre Antwort.

Nachdem im Sommer 2011 die Flugdatenschreiber aus 4000 Meter Tiefe aus dem Meer geborgen werden konnten, gelang es den BEA-Ermittlern, die letzten vier Minuten zu rekonstruieren, auch mittels der Gespräche und Geräusche im Cockpit. Auslöser des Dramas war demnach ein Ausfall der Pitot-Sonden zur Geschwindigkeits-Messung, als die Maschine bei Nacht eine Unwetter-Front durchflog, wahrscheinlich, weil sie vereist waren. Solche Probleme kamen bereits seit 2004 vor, doch hat Airbus die Sonden erst seit dem Absturz ersetzt.

Offenbar folgten die Piloten zudem einer falschen Information über die Position des Flugzeuges auf dem Bildschirm. "Der Mangel an Information über die Vereisung der Pitot-Sonden und der Flughöhe verursachte einen Überraschungseffekt", heißt es in dem Bericht. Als der Autopilot ausfiel, traf der Co-Pilot eine tragische Fehlentscheidung: Indem er die Maschine stark nach oben zog, provozierte er einen Strömungsabriss und einen raschen Sinkflug, ohne es zu merken. Die fast eine Minute aufscheinenden Warnungen ignorierte er. Auch der aus der Ruhepause geholte Kapitän konnte nichts mehr retten. "Die Crew hat die Kontrolle über die Situation total verloren", sagte Alain Bouillard, Leiter der Untersuchung. Seiner Meinung nach bräuchten die Piloten in der Ausbildung mehr Training, "damit sie die Flugzeugsysteme in Ausnahmesituationen besser kennen".