Die Alte Synagoge wurde 1968 gesprengt, um Platz für die Neue Brücke zu schaffen. Jetzt ist das Gotteshaus zumindest als Kulisse wieder da. - © karo
Die Alte Synagoge wurde 1968 gesprengt, um Platz für die Neue Brücke zu schaffen. Jetzt ist das Gotteshaus zumindest als Kulisse wieder da. - © karo

Bratislava. Die heurige 37. Auflage des Bratislavaer Kultursommers markiert einen Neuanfang im Umgang der Menschen in der slowakischen Hauptstadt mit dem reichen jüdischen Erbe der Donaumetropole. In den ersten beiden Jahrzehnten seit Ende des Kommunismus waren sie vor allem damit beschäftigt, überhaupt Worte für das zu finden, was in den vergangenen Jahren mit den Juden in der Stadt geschehen war. Inzwischen können sie vergleichsweise ungezwungen in die Geschichte eintauchen. Denn seit Anfang Juli gehört die von den Kommunisten einst in die Luft gejagte Alte Synagoge wieder zum Stadtbild. Wenige Tage zuvor wurde das Museum der jüdischen Gemeinde in der Neuen Synagoge eröffnet.

70.000 Juden wurden während des Zweiten Weltkriegs aus dem Gebiet der heutigen Slowakei in Vernichtungslager der Nationalsozialisten deportiert. 1968 wurden die Alte Synagoge unweit des Martinsdoms sowie 228 Gebäude im jüdischen Viertels unterhalb der Burg gesprengt. Sie mussten der Neuen Brücke weichen, die Petrzalka, die größte Wohnsiedlung des real existierenden Sozialismus, bis heute mit dem restlichen Bratislava verbindet. Seit einigen Jahren wird daran am einstigen Standort der Synagoge mit einer Gedenkwand und einer Skulptur erinnert.

Jetzt ist das jüdische Gotteshaus wieder da, wenngleich nur für die Sommermonate und auch nur in Gestalt einer Kulisse und im Vergleich zur ursprünglichen Alten Synagoge deutlich geschrumpft. Aber es ist doch groß genug, um die Bratislavaer daran zu erinnern, dass ihre Stadt in längst vergangenen Zeiten Heimat der zweitgrößten jüdischen Gemeinschaft in ganz Europa war. Heute bekennen sich in der Slowakei gerade noch 3000 Menschen zum mosaischen Glauben.

Im Nachbau der Synagoge sind eine Galerie und ein Sommerkino untergebracht, gelegentlich wird es Konzerte geben. Im Winter wandert die Kulisse in ein Lager. Voll genutzt wird sie erst ab dem kommenden Jahr, wenn die zweitgrößte slowakische Stadt Kosice Europäische Kulturhauptstadt ist. Initiiert hat das Projekt die Israelische Handelskammer in der Slowakei, die allmählich wieder das historische jüdische Ghetto ins öffentliche Bewusstsein rücken will. "Das zerstörte Gebiet unterhalb der Burg kann man ohne Übertreibung verlorene Stadt nennen, hier setzen wir an", betont ihr Sprecher Milos Ziak.

Ein Teil der Stadt


Die Initiative findet durchaus Widerhall. Vor allem in den vergangenen Jahren ist das Interesse der Bratislaver, sich mit dem Thema auseinandersetzen, spürbar gewachsen. Wurde das jüdische Leben über Jahrzehnte hinweg nahezu ausgeblendet, so wird es heute als etwas begriffen, das zu dieser Stadt und ihrer Geschichte gehört. Spürbar ist dieser Wandel auch in der Neue Synagoge in der Heydukova-Straße, die den Juden in Bratislava nach der Sprengung der Alten Synagoge als Ort der Zusammenkunft diente. Heuer kann dort bis Ende September das vor kurzem eröffnete Museum der jüdischen Gemeinde besichtigt werden. Es stellt eine wichtige Ergänzung des Museums der jüdischen Kultur, das zum Slowakischen Nationalmuseum gehört, dar.

Die Ausstellungen auf der Heydukova zählen zum Projekt "Slowakisches Jüdisches Erbe", das seit 2001 systematisch jüdische Traditionen auf dem Gebiet der heutigen Slowakei aufarbeitet. Die meisten Exponate des neuen Museums stammen von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Bratislava. Die Vorbereitungen für die Ausstellungen begannen 2008. Seither wurde die Synagoge unter Federführung des Architekten Martin Lepej grundlegend renoviert. Den Opfern des Holocaust ist eine Wand gewidmet, die in der neuen Haupthalle untergebracht ist. Im Mittelpunkt steht allerdings das kulturelle Erbe der jüdischen Gemeinde. Besonders sehenswert ist die nach dem Architekten Eugen Barkany benannte "Zweite Barkany-Sammlung". Sie war früher in der Alten Synagoge untergebracht und ist nun seit Jahrzehnten erstmals wieder öffentlich zugänglich.