Wien. Trostlose Hinterhöfe werden zu grünen Oasen, tote Ecken im Stadtbild verwandeln sich zu Orten der regen Kommunikation: So oder so ähnlich hat es sich das Wiener Rathaus wohl vorgestellt, als es vor rund zwei Jahren mit der Förderung von Gemeinschaftsgärten begonnen hat - und spät aber doch hat der internationale Trend des "Urban Gardening" auch die Bundeshauptstadt erfasst. Denn das gemeinsame Garteln an öffentlichen Orten boomt; an mittlerweile mehr als 30 Standorten in 14 Bezirken gedeihen auf hunderten Kleinbeeten Tomaten, Zucchini oder Radieschen. Die Wartelisten sind lang, die Zufriedenheit der City-Gärtner ist umso höher.

Schauplatz Arenbergpark im 3.Bezirk: Im Schatten des Flakturms wurde im Frühjahr eine 1200 m² große Wiese zu einem Nachbarschaftsgarten umgemodelt. Nun werken Kindergartenkinder, Pensionisten, Studenten und Berufstätige Seite an Seite, Hochbeet an Hochbeet miteinander im Grünen - gießen, zupfen Unkraut, ernten, tauschen Saatgut und Pflänzchen aus. Der Andrang auf die 26 Hochbeete war enorm, sodass nach Alterskategorien ausgelost werden musste, berichtet David Stanzel vom Verein "Gartenpolylog", der das Projekt betreut. "Aktuell sind 70 Personen auf der Warteliste. Die sollen natürlich auch einmal die Chance auf ein Beet bekommen, aber das Prozedere ist noch offen."

"Wenig Platz in Wien"

Zwar soll niemand ein lebenslanges Anrecht auf ein Grünfleckerl haben, zugleich brauche es aber auch eine Kerntruppe, die den Gemeinschaftsgarten dauerhaft führt. Stanzel war vom großen Andrang im Arenbergpark und den anderen Gärtchen doch etwas überrascht: "Aber es ist auch logisch, weil es in Wien so wenig Platz zum Gärtnern gibt."

Mitunter ist es aber ein langer Weg, bis eine Gruppe eine öffentliche Fläche ganz offiziell verschönern darf. Bestes Beispiel ist der neue Garten im hinteren Bereich des Narrenturms im 9.Bezirk, der vormals eine heruntergekommene Brachfläche war. Die 22 Mitglieder, die sich aus der lokalen Agenda-Gruppe zu einem Gartenverein zusammengefunden haben, mussten lange mit dem Bund verhandeln, um das Fleckchen (auf drei Jahre befristet) zu bekommen. Mit einem Jahr Verspätung blüht und gedeiht es auf 15 Beeten nun umso schöner. "So ein Projekt zu planen und dann durchzuziehen, ist einfach eine schöne Herausforderung", erzählt Vereinsobmann Sebastian Schubert. Passanten werden übrigens aktiv zum Ernten eingeladen - außen am Zaun hängen viele kleine Töpfe, wo man sich etwa von süßen Cocktailtomaten bedienen kann. Außer dem üblichen Gemüse wird auch Ausgefallenes angebaut wie Physalis und Artischocken. Mit Melonen und Jostabeeren experimentieren heuer nur unweit entfernt die City-Gärtner in der Sensengasse, die bereits mitten in der zweiten Saison sind.

Weil sich aus der dortigen Wohnhausanlage zehn weitere Interessenten gemeldet haben, wurde die Fläche verdoppelt, womit nunmehr 21 "Sensengärtner" die vormalige Rindenmulchwüste bewirtschaften. "Zuerst haben wir gedacht, die sollen ruhig werken, dort wächst eh nichts", erinnert sich Bewohnerin Xenia Berger. "Als dann riesige Zucchini geerntet wurden, waren wir richtig neidig und wollten unbedingt auch ein Beet haben." Und nicht zuletzt waren die Töchter Leoni (7) und Mariella (3) treibende Kräfte, weil sie unbedingt auch mit ihren Gießkannen zum guten Gedeihen beitragen wollten. Berger würde den Garten heute keinesfalls mehr missen wollen, zumal er für die Kinder schier unersetzlich ist. "Erst jetzt sehen sie, dass Karotten aus der Erde kommen." Und ein kleiner rosa Gartenzwerg darf zum kleinen Gartenglück auch nicht fehlen.