Wien. (temp) "Schmerz und Leid hält sich nicht an Öffnungszeiten", sagte Martina Fasslabend, Geschäftsführerin der Kinderschutzorganisation "Die Möwe", am Mittwoch vor Journalisten. Anlass war die Präsentation der neuen Onlineberatung für minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs und Misshandlungen sowie deren Bezugspersonen. Damit sie sich Probleme "jederzeit von der Seele schreiben können", erweiterte "Die Möwe" ihre Beratung aufs Internet, das laut Studien 75 Prozent der Neun- bis Achtzehnjährigen täglich nutzen.

Ungeeignet für akute Krisen


Ein Pilotprojekt habe gezeigt, dass die Hälfte der Internetanfragen von Betroffenen selbst kommt - bei der Telefon-Helpline (8 bis 20 Uhr) nur ein Viertel. Zudem betreffen doppelt so viele Internet- wie Telefonanfragen sexuelle Gewalt. Die Anonymität des Zugangs (über www.die-moewe.at mit Benutzername und Passwort ohne Angabe von Daten) scheint Opfern die Hilfesuche zu erleichtern. "Weil das Thema noch immer schambesetzt ist", so Fasslabend.

Einen Nachteil gebe es jedoch: Anfragen werden binnen zweier Werktage beantwortet, für akute Krisen wie Selbstmordabsichten sei es daher nicht geeignet.