Washington.

(rs) Fast schon im Tagesrhythmus schraubt das US-Landwirtschaftsministerium seine Ernteprognosen derzeit hinunter. In Folge der anhaltenden Dürre wurden am Montag etwa nur noch 31 Prozent der Maisernte mit "gut" oder "sehr gut" bewertet. Eine Woche zuvor war der Anteil noch bei 41 Prozent gelegen.

Wenn der weltgrößte Exporteur von Nahrungsmitteln ins Straucheln kommt, gerät aber auch auf den internationalen Agrarmärkten so ziemlich alles aus den Fugen. Mais, Weizen und Soja steuern an den Rohstoffbörsen auf neue Rekordpreise zu oder haben diese bereits übertroffen. Und die Analysten der großen Kreditinstitute glauben noch lange nicht an ein Ende. Laut der "Financial Times" haben Goldman Sachs, Citi Group und Credit Suisse vor kurzem ihre Preisprognosen um zumindest 15 Prozent angehoben.

In den armen und ärmsten Ländern, in denen die Menschen einen Großteil ihres Einkommens für Nahrung ausgeben, kehrt damit das Gespenst der Jahre 2007 und 2008 zurück. Damals waren die Preise durch Missernten und die Spekulation auf Lebensmittel massiv angestiegen, in vielen Ländern kam es zu Hungerrevolten, weil selbst ein Laib Brot oder ein Sack Reis auf einmal unerschwinglich wurden. In Mexiko protestierten 2007 etwa zehntausende Menschen im Rahmen des "Tortilla-Aufstandes" gegen die Verdreifachung der Preise für die Maisfladen. Angeheizt worden war der Anstieg vor allem durch die wachsende Nachfrage in den USA nach dem ebenfalls aus Mais gewonnen Bio-Sprit Ethanol.

Zum Problem könnte die derzeitige Preisexplosion vor allem für Staaten wie Ägypten, Iran und Indien werden, die stark auf Importe angewiesen sind. Millionen Tonnen von Getreide zu nun deutlich höheren Kosten einzuführen, könnte die nationalen Budgets massiv in Schieflage bringen. Im Augenblick wird daher vor allem noch abgewartet und gehofft - dass die eigene Vorräte so lange halten, bis die Preise wieder gesunken sind, oder auch, dass die erwartete brasilianische Rekordernte zu einer Entspannung führt. Allerdings ist auch das Abwarten nicht ohne Risiko. Kaufen alle Länder gleichzeitig, droht eine weitere Preisexplosion.