Wien. (leg) Der Wolkenkratzer im Art-Deco-Stil mit der Statue der römischen Ackerbaugöttin Ceres strahlt US-Flair der 1930er Jahre aus, der Handelssaal ähnelt einem Amphitheater: Keine Frage, das "Chicago Board of Trade" atmet Tradition. Die weltälteste Terminbörse ist führend im Geschäft mit Lebensmitteln. Und das Business brummt: Der Handel mit Agrar-Rohstoffderivaten stieg zwischen 2003 und 2011 von neun auf 99 Milliarden Dollar.

Doch in den gegenwärtig unsicheren Zeiten am Lebensmittelmarkt mehrt sich die Kritik an der Spekulation mit Weizen, Soja, Mais oder auch Schweinebäuchen. Termingeschäfte mit Grundnahrungsmitteln werden von Nichtregierungsorganisationen wie "Foodwatch" für Hungersnöte in ärmeren Ländern verantwortlich gemacht. Erst jüngst wiesen etwa die Entwicklungshelfer von "Oxfam" darauf hin, dass die deutsche Allianz-Versicherung im Jahr 2011 mehr als 6,2 Milliarden Euro in Nahrungsmittelfonds investiert hat - zusammen mit den knapp 4,6 Milliarden, die die Deutsche Bank in den Lebensmittelmarkt pumpt, wären das beachtliche 14 Prozent des Weltmarkts auf Lebensmittel. Solche Spekulationen, so Oxfam, würden den durch Phänomene wie Klimawandel ohnehin kriselnden Lebensmittelmarkt noch instabiler machen. Die Wetten auf steigende Preise "beschleunigen existierende Trends und treiben Preisaufschläge auf die Spitze". Menschen in den ärmeren Ländern, die 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, litten dann Hunger.

An sich dienen Termingeschäfte der Absicherung - zum Beispiel können sich, Marktkenntnis vorausgesetzt, Bauern damit vor einem Preisverfall ihrer Produkte schützen, wenn sie zum Liefertermin einen niedrigeren Preis erwarten. Spätestens als 2007/08 die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais, Weizen und Soja in die Höhe gingen - und dies Hungersnöte auslöste -, wurden Stimmen laut, die Spekulation mit Nahrungsmitteln zu verbieten.