Im obersteirischen St. Lorenzen im Paltental, das am vergangenen Wochenende von einer Mure zum Teil verwüstet wurde, ist am Montag das große Aufräumen angelaufen. Rund 400 Helfer von Bundesheer und Feuerwehren waren mit der Beseitigung von Schlamm und Geröll und der Wiederherstellung der Infrastruktur beschäftigt. - © APAweb
Im obersteirischen St. Lorenzen im Paltental, das am vergangenen Wochenende von einer Mure zum Teil verwüstet wurde, ist am Montag das große Aufräumen angelaufen. Rund 400 Helfer von Bundesheer und Feuerwehren waren mit der Beseitigung von Schlamm und Geröll und der Wiederherstellung der Infrastruktur beschäftigt. - © APAweb

Graz. Im obersteirischen St. Lorenzen im Paltental, das am vergangenen Wochenende von einer Mure zum Teil verwüstet wurde, ist das große Aufräumen angelaufen. Rund 400 Helfer von Bundesheer und Feuerwehren sind mit der Beseitigung von Schlamm und Geröll und der Wiederherstellung der Infrastruktur beschäftigt. Betretungsverbote und Evakuierung konnten noch nicht aufgehoben werden, die Lage ist im Hinblick auf mögliche weitere Regenfälle weiter kritisch: "Jeder Tropfen ist zu viel", so der Leiter der Katastrophenschutzabteilung des Landes, Kurt Kalcher, Montagvormittag.

Ab Dienstagmittag bringt ein Tief über Italien neuerlich labile und feuchtere Luftmassen nach Kärnten, in die Steiermark und bis in die Semmering-/Wechselregion. Punktuell ist mit Gewittern zu rechnen, die lokal sehr kräftig ausfallen können, so die Meteorologen.

"Die Aufräumarbeiten werden noch Monate in Anspruch nehmen, es wird vermutlich bis Anfang 2013 dauern, bis die Infrastruktur wieder vollständig hergestellt ist", sagte Walter Danklmaier, der in St. Lorenzen, einer Katastralgemeinde von Trieben, den Einsatz der Feuerwehren leitet. Die Wehren unterstützten u.a. mit Tankwagen die Pioniere des Bundesheeres, die mit schwerem Gerät angerückt waren. "Wenn der Schlamm nicht rasch wegkommt und trocknet, wird er wie Beton", erklärte Katastrophenreferent Kalcher.

Eine erste Schadensbilanz

Die 240 evakuierten Personen würden bis auf weiteres bei Verwandten und in Pensionen untergebracht bleiben. Eine erste Schadensbilanz im Bereich der Gebäude habe rund 60 beschädigte oder zerstörte Objekte - darunter zwei Wohnhäuser - ergeben: "Es war ein Ereignis von einer Schadensdimension, wie sie in den vergangenen 30 Jahren nicht vorgekommen ist", so Kalcher. Auch wenn die akute Bedrohung abgewendet zu sein scheint, blicken die Helfer sorgenvoll auf die Wetterprognosen, die ab Dienstag neuerliche Niederschläge ankündigen.

Inzwischen sind aus der Bevölkerung auch Kritik an den Schutzmaßnahmen durch die zum Lebensministerium ressortierenden Wildbach- und Lawinenverbauung laut geworden. Die aktuelle Katastrophe wurde durch eine Verklausung am Lorenzerbach ausgelöst, Sperren wurden weggerissen und eine fünf bis sieben Meter hohe Schlammwelle wälzte sich bis in den Ort.

Gerhard Baumann von der Wildbach- und Lawinenverbauung Steiermark verweist auf die Vorgeschichte: Durch die großen Regenmengen des vergangenen Monats sei der Boden "angesoffen", oder, so der Fachjargon, "tiefgründig durchnässt" gewesen, zudem sei die Region von rutschanfälligem Schiefergestein dominiert. Nach den ersten Schadensfällen im Juni habe man mit der Projektierung von Murenrückhaltebecken im Schwarzenbachtal begonnen, nun werde man auch das noch größere Problem "Lorenzerbach" in Angriff nehmen, für das man fünf bis sechs Millionen Euro benötige. Zur Frage, ob die beschädigten und zerstörten Objekte sofort wieder aufgebaut werden sollen oder ob man neue Schutzmaßnahmen abwarten soll, meinte Baumann: "Man sollte sich das gut überlegen und keine Schnellschüsse machen".