Wien. Der Fall ist vergleichbar mit jenen aus der jüngeren Vergangenheit, die für enorme Betroffenheit und Diskussionen gesorgt haben: Wie bei den Fällen Luca und Cain wurde auch der einjährige Mirel schwer misshandelt und starb letztlich an seinen schweren Verletzungen. Passiert ist der Kindesmord bereits im April 1999 - doch erst jetzt konnte sein mutmaßlicher Mörder in Albanien gefasst werden. 13 Jahre nach der Tat in der Buchengasse in Wien-Favoriten.
Wie am Mittwoch bekanntgegeben wurde, dürfte dem österreichischen Bundeskriminalamt ein spektakulärer Fahndungserfolg geglückt sein: Der mittlerweile 44-jährige Ramiz K. soll den einjährigen Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin brutal misshandelt haben, sodass dieser an einem Schädel-Hirn-Trauma starb. Der Serbe befindet sich derzeit in Auslieferungshaft in Albanien.
K. sollte im Jahr 1999 in einer Wohnung auf das Kind seiner Lebensgefährtin aufpassen, während diese arbeitete. Dabei misshandelte er das Baby am ganzen Körper. Nach einem wochenlangen Martyrium brachte die Mutter den Buben erst zwei Tage vor seinem Tod ins Krankenhaus. Bei der Untersuchung entdeckten die Ärzte die schweren Misshandlungsspuren und verständigten die Polizei. Der Einjährige wies 30 Brüche, Verletzungen im Brustbereich, schwerste Misshandlungsspuren im Genitalbereich und innere Blutungen auf.
Fingerabdrücke führten zu untergetauchtem Täter
Die aus Bosnien stammende Mutter des Babys wurde kurzfristig festgenommen und später wegen Beteiligung am Quälen eines Unmündigen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Gegenüber der Polizei gab die Frau damals an, dass sie etwa eineinhalb Monate vor dem Vorfall täglich blaue Flecken am Körper und im Gesicht von Mirel entdeckt habe. Ihr Lebensgefährte habe daraufhin jeweils behauptet, das Kind sei von der Bank gefallen, die Hämatome habe es sich beim Spielen durch Zwicken zugezogen.
Der Lebensgefährte der Frau flüchtete noch am selben Tag ins Ausland. Die internationale Fahndung nach ihm blieb mehr als 13Jahre erfolglos. Elektronisch verarbeitbare Fingerabdrücke für Fahndungszwecke gab es zunächst nicht. Das Referat für Gewaltkriminalität im Bundeskriminalamt sichtete nun die kompletten Aktenbestände zu diesem Fall neu. Im Zuge der Ermittlungen wurden brauchbare Fingerabdrücke des Verdächtigen aus einem Asylverfahren gesichert und ins Fahndungssystem eingespeichert. Kurze Zeit später, am 22. Juli 2012, erfolgte ein Treffer in Albanien. Der Serbe wurde von den zuständigen Behörden festgenommen. "Er hat sich nach dieser langen Zeit schon relativ sicher gefühlt und auch unter seinem Namen gelebt", sagte Bundeskriminalamts-Sprecher Mario Hejl.