Etwas anders waren die Ergebnisse, zu denen Harbort in seinem Buch "Ich liebte eine Bestie" kam, für das er mehrere Verbrecher und deren Liebhaberinnen interviewte. Drei Frauentypen konnte er ausmachen: zum einen Frauen mit bereits erlebten Missbrauchserfahrungen, die einen Verlust des Sicherheitsgefühls bewirkt haben. "Das führt bei den Opfern zu einer Selbstschuldzuweisung, weil sie nicht nur als Opfer stigmatisiert werden wollen. Um sich mehr Aufklärung darüber zu verschaffen, suchen sie den Kontakt zu Verbrechern." Das sexuelle Moment entwickle sich erst mit der Zeit. Ein weiterer Typus seien Frauen mit gestörtem Selbstwertgefühl. "Oft sind es tatsächlich Mauerblümchen, die prominente Menschen entdecken, die scheinbar durchsetzungsstark sind und spektakuläre Dinge getan haben. Die Beziehung zu ihnen bewirkt eine Aufwertung der eigenen Persönlichkeit inmitten einer als öd erlebten Realität."

Drittens gibt es noch die Frauen mit sehr negativen Beziehungserfahrungen. "Über das Verhältnis zu einem Gefängnisinsassen wird eine Idealbeziehung aufgebaut: Die Frauen wollen nun selbst kontrollieren und nicht mehr alltägliche Beziehungsprobleme lösen." Das zeige etwa der Fall einer Therapeutin, die für eine Beziehung zu einem achtfachen Frauenmörder ihren Job an den Nagel gehängt hat. "Ich hatte zwei Ehen hinter mir, aber das war die Hölle. Dauernd musste ich Kämpfe austragen", erzählte sie. Nun hat sie einen Partner, zu dem sie Distanz wahren kann - und ist damit glücklich.

Auch bei Männern


Hybristophilie ist kein rein weibliches Phänomen. Der Ehemann der "Eis-Lady" steht bis heute zu seiner Frau, obwohl sie zwei seiner Vorgänger ermordet hat. Ein britischer Adliger - Lord Longford - hat jahrelang einen Kreuzzug für die Freilassung der Serienmörderin Myra Hindley betrieben und sich dabei mit seinem ganzen Umfeld angelegt. Doch solche Fälle sind seltener, weil die meisten Schwerverbrecher männlich sind.

Mit der Schwere der Verbrechen wächst in der Regel auch das Interesse - bei den Medien, aber eben nicht nur bei ihnen. Angesprochen auf Breivik meint Harbort: "Die zahlreichen Liebesbriefe belegen eindrucksvoll, dass es für die Verehrerinnen weniger auf die Person des Täters ankommt, sondern eher auf das, was er getan hat. Wäre über ihn als gemeiner Betrüger berichtet worden, hätte er wohl keinen einzigen Brief erhalten."