Rom. Es gebe im Vatikan etwa 20 Personen, die wie er zu Enthüllungen bereit seien, um Transparenz zu sichern, sagte der wegen schweren Aktendiebstahls angeklagte Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, in einem Interview mit dem italienischen Autor Gianluigi Nuzzi, das der italienische TV-Kanal "La 7" am Montagabend vollständig ausstrahlte.

Als Motivation für sein Handeln nannte Gabriele Wut und Angst; es gebe im Vatikan eine Mauer des Schweigens. "Der Papst will für Sauberkeit sorgen, doch er stößt auf Schwierigkeiten", sagte Gabriele, der ab dem 23. Mai 53 Tage lang in Haft saß, bevor er im Juli unter Hausarrest gestellt wurde.

Diese Mauer des Schweigen lasse "die Wahrheit der Dinge nicht nach außen" dringen, behauptete Gabriele. So habe der Vatikan den Mord an dem Schweizergarde-Kommandanten Alois Estermann und seiner Frau 1998 nicht aufgeklärt. Ebenso habe man sich nicht genügend um Ermittlungen im Entführungsfall der damals 15-jährigen Vatikan-Bürgerin Emanuela Orlandi im Sommer 1983 bemüht.

Nuzzis Buch "Sua Santita", in dem er Briefe und Akten aus der unmittelbaren Umgebung des Papstes veröffentlichte, sorgte weltweit für Schlagzeilen. Laut Ermittlungen der vatikanischen Staatsanwaltschaft hat der frühere päpstliche Kammerdiener Nuzzi zahlreiche kopierte Briefe und Geheimdokumente aus der Wohnung des Papstes weitergegeben. Als die Dokumente veröffentlicht wurden, spekulierten italienische Medien, innervatikanische Flügelkämpfe seien die wahre Ursache für den Vertrauensbruch gewesen. Als eines der Angriffsziele gilt Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der Aufklärung über Ungereimtheiten der Vatikanbank IOR blockiert haben soll.