Dirk Stermann (l.) holt Wasser. - © Thomas Seifert
Dirk Stermann (l.) holt Wasser. - © Thomas Seifert

Wien. Anna Sury will in den Südsudan, nach Afghanistan, in den Libanon oder in die Türkei - irgendwohin, wo man helfen kann. Sie besucht mit ihrer fünften Klasse des Bundesrealgymnasiums Henriettenplatz im 15. Bezirk die von der medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) organisierte Ausstellung "Leben auf der Flucht". Sie sieht dort zehn originalgetreu ausgestattete Flüchtlings-Zelte und lauscht den Erzählungen der MSF-Helferin Christa Rabek, die schon in unzähligen Krisengebieten für Ärzte ohne Grenzen im Einsatz war. Rabek erklärt, wo man im Flüchtlingslager aufs Klo geht, wie wichtig Impfaktionen im Lager sind, dass man Unterernährte mit speziellen Energiekeksen aufpäppelt und dass neben dem geschundenen Körper der Flüchtlinge auch die verwundete Seele Heilung braucht.

Letzteres beeindruckt Anna Sury am meisten. Sie betrachtet Kopien der Zeichnungen, die von kriegstraumatisierten Kindern angefertigt worden sind: "Da ist einem richtig zum Weinen zumute. So ein Leben ist für uns, denen es hier so supergut geht, unvorstellbar." Deshalb will Anna Sury eines Tages vielleicht selbst als Helferin für Ärzte ohne Grenzen arbeiten. In Christa Rabek hat Anna ein Vorbild gefunden: Rabek könnte längst ihre Pension genießen, aber die medizinisch-technische Assistentin träumt vom nächsten Hilfseinsatz in Afghanistan: "Wenn mein Mann mich lässt . . .", fügt sie hinzu und lächelt schelmisch.

MSF-Helferin Rabek erklärt Schülern das Leben im Lager. Seifert - © Thomas Seifert
MSF-Helferin Rabek erklärt Schülern das Leben im Lager. Seifert - © Thomas Seifert

Am Karlsplatz, wo von Ärzte ohne Grenzen das originalgetreue Flüchtlingslager aufgebaut worden ist, "können die Schülerinnen und Schüler direkt aus dem Mund von Helfern mit der Thematik vertraut gemacht werden", sagt Geografielehrer Ernst Plaimauer, der seine Klasse hierher gebracht hat. Das Thema sei für seine Schüler - "die sind fast wie die Vereinten Nationen", kommen sie doch aus 17 Nationen - hochaktuell.

43 Millionen auf der Flucht


Der Moderator und Kabarettist Dirk Stermann ist seit langem Unterstützer von MSF, er erzählt in der Pressekonferenz von den 43 Millionen Menschen, die derzeit weltweit auf der Flucht sind, von den 220.000 Menschen, die allein aus Syrien geflohen sind, und dass man nie vergessen dürfe, dass hinter diesen Zahlen Menschen, Einzelschicksale stehen. Und Sternmann spricht davon, wie sehr es ihn gefreut habe, dass er manche Zelte gar nicht besichtigen konnte, "so voll waren die mit interessierten Schülerinnen und Schülern. Wenn ich Lehrer wäre, wüsste ich jedenfalls genau, was ich den Kids in den kommenden Tagen zeige."

MSF-Präsident Reinhard Dörflinger ergänzt: "Ich bin froh, dass wir hier mitten in der Stadt, vor der Karlskirche, dem Barockjuwel von Fischer von Erlach, unsere Zeltstadt aufbauen konnten. Im Hintergrund steht das ewig Bestand Habende, im Vordergrund das Temporäre, die Zeltstadt, wo wir zeigen können, was humanitäre Hilfe im Alltag bedeutet."