Aufgeweckt und lebensfroh - auch wenn man weiß, dass der letzte Lebensabschnitt begonnen hat. Speziell geschultes Pflegepersonal soll künftig jeden auf seinem Sterbeweg begleiten. - © Veronika Arnost
Aufgeweckt und lebensfroh - auch wenn man weiß, dass der letzte Lebensabschnitt begonnen hat. Speziell geschultes Pflegepersonal soll künftig jeden auf seinem Sterbeweg begleiten. - © Veronika Arnost

Wien. Gedanken an den Tod werden oft verdrängt. Viele laufen vor dem Wissen davon, dass Sterben mit langem Leiden verbunden sein kann. Aber spätestens, wenn ein geliebter Mensch stirbt, weiß man: Der Tod gehört zum Leben dazu wie das Geborenwerden. Der Weg dorthin ist bestimmt leichter, wenn man auf ihm gestützt und getragen wird. "Hospiz Österreich", der Dachverband der österreichweit rund 260 Palliativ- und Hospizeinrichtungen, arbeitet seit 2006 daran, wie man diese Sterbebegleitung auch in Alten- und Pflegeheimen am besten umsetzen kann. Am Donnerstag bekam er eine entscheidende Unterstützung: Sozialminister Rudolf Hundstorfer erklärte es zu seinem Ziel, die Thematik der Hospizbetreuung im geriatrischen Bereich in die Verhandlungen um die Zukunft der Pflege und des Pflegefonds zu integrieren.

Anlässlich des baldigen Welthospiztages am 13. Oktober sagte er im Pflegewohnhaus Meidling vor Journalisten: "Wenn es darum geht, die Pflege und die Finanzierung der Pflege auf teilweise neue Beine zu stellen, dann sollten wir uns auch die Chance geben, das Thema Hospiz zu integrieren." Klar sei, so der Minister, dass dies nicht leicht werde und wohl zahlreiche Diskussionen und Verhandlungen notwendig seien. Eine fixe Klärung der Zuständigkeiten statt der derzeitigen Zersplitterung zwischen Ministerien, Bund und Ländern würde stabile Finanzen, einheitliche Personalstrukturen und einheitliche Qualitätsstandards bringen.

Idee der Hospiz soll in allen Heimen Einzug finden


Derzeit werden 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zu Hause betreut. "Diese Zahl wird sich dramatisch verringern", so Hundstorfer. Die Gründe dafür: die demographische Entwicklung - mehr als eine Million Österreicher werden 2050 über 80 Jahre alt sein - sowie der Verlust der traditionellen Familienstrukturen wie Großfamilien. Die Zukunft der Hospizbetreuung müsse daher sichergestellt werden - indem sie Teil des Konzeptes zur Absicherung des Pflegesystems Österreichs werde. "Fakt ist: Wir wollen und werden das verhandeln", beteuerte der Sozialminister. Bis Ende des Jahres werde ein fertiges Paket zur Zukunft der Pflege in Österreich vorgelegt.

"Mit Schulungen für das Pflegepersonal und der Finanzierung allein ist es aber nicht getan. Es geht darum, die Idee der Hospiz in das System der Alten- und Pflegeheime einzubauen", betonte Waltraud Klasnic, Präsidentin von "Hospiz Österreich", ebenfalls am Donnerstag. Die Heimbewohner müssten von Anfang an sowohl kurativ, als auch palliativ betreut werden, nicht nur in der Endphase. Darüber hinaus müssen stationäre Hospize geschaffen werden.

Derzeit gibt es rund 800 Alten- und Pflegeheime in Österreich. In 41 haben bereits im Zuge einer "qualitätsbetonten Ausbildung" Schulungen stattgefunden, so Klasnic. Nach welchen Richtlinien bei Hospiz und Palliativbetreuung vorgegangen werden soll, legte "Hospiz Österreich" 2008 fest. 2009 konstituierte sich unter der Leitung des Dachverbandes ein Beirat, dem unter anderen die Österreichische Ärztekammer, Gesundheits- und Sozialministerium sowie der Hauptverband der Sozialversicherungsträger angehören.

Die Thematik in das Konzept zur Absicherung des österreichischen Pflegesystems aufzunehmen, wie von Hundstorfer zugesagt, soll auch eine gewisse Planungssicherheit schaffen.

Ein positives Echo erhielt der Sozialminister vom grünen Gesundheitssprecher Kurt Grünewald, von FPÖ-Behindertensprecher Norbert Hofer sowie Hundstorfers Vorgängerin, BZÖ-Seniorensprecherin Ursula Haubner. Auch der SPÖ-Pensionistenverband begrüßte Hundstorfers Plan.