Wien.

Das Risiko selbst im Griff: Wer seinen Blutdruck zum Beispiel durch eine ausgewogene Ernährung von 160 auf 150 senkt, ist bereits um 30 Prozent geringer gefährdet, einen Schlaganfall zu erleiden. - © Peter Maszlen - Fotolia
Das Risiko selbst im Griff: Wer seinen Blutdruck zum Beispiel durch eine ausgewogene Ernährung von 160 auf 150 senkt, ist bereits um 30 Prozent geringer gefährdet, einen Schlaganfall zu erleiden. - © Peter Maszlen - Fotolia
Er trifft die Menschen unvermutet wie ein Schlag, die Vorgeschichte ist aber oft eine lange, und mit richtiger Prävention könnte er verhindert werden: der Schlaganfall, die dritthäufigste Todesursache in Österreich. Vom Jahr 2000 bis 2025 prognostiziert die Weltgesundheitsorganisation WHO für die Länder der EU einen deutlichen Anstieg der Erst-Schlaganfälle um 36 Prozent auf 1,5 Millionen. Gründe dafür seien die steigende Lebenserwartung und ein schlechter Lebensstil, der etwa zu Übergewicht, einem erhöhten Cholesterinspiegel und Diabetes führe. Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) startet daher nun eine Aufklärungskampagne, um auf die Risiken und Vorsorgemöglichkeiten aufmerksam zu machen.

Zwar sei dank besserer Akutversorgung die Zahl der tödlich endenden Schlaganfälle in Österreich von rund 9000 im Jahr 2000 auf derzeit 5000 zurückgegangen. "Jährlich erleiden aber immer noch rund 25.000 Österreicher einen Schlaganfall", betonte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger am Mittwoch vor Journalisten - etwa 5000 kurz danach einen zweiten. Der Aufholbedarf, was das Wissen um die Warnsignale, das Verhalten im Ernstfall und die Schlaganfall-Prävention betreffe, sei enorm.

"Vor allem die Hausärzte sollten die Bewusstseinsbildung intensivieren", ergänzte Reinhold Glehr, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Die Informationsoffensive der ÖÄK sieht die Arztordination als Drehscheibe vor: In den Wartezimmern von rund 8000 Praxen, überwiegend von Allgemeinmedizinern, Internisten, Neurologen und Kardiologen, werden Infoplakate mit dem Titel "Vorsorgen mit Herz und Hirn" aufgehängt. Zudem liegen Mini-Ratgeber auf.

"Es gibt viele Möglichkeiten der Prävention", meinte Wechselberger, "Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung - diese Dinge lassen sich alle ändern." Vor dem ersten Schlaganfall würden allerdings die wenigsten auf den Rat des Arztes hören. Erst, wenn sie einmal einen Schlaganfall hatten, würden sie alles tun, um keinen weiteren zu erleiden.

Über 70-Jährige sind am häufigsten betroffen


Die meisten Schlaganfälle treffen Menschen über 70. Bis zu 80 Prozent davon hätten einen zu hohen Bluthochdruck - eine Volkskrankheit, leidet doch rund ein Drittel aller Österreicher darunter. Doch auch die Zahl der "juvenilen Schlaganfälle" steigt laut Johann Willeit, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfall-Forschung von der Medizinischen Universität Innsbruck. Derzeit seien rund acht Prozent aller Schlaganfall-Patienten unter 50 Jahre alt. Bei den unter 30-Jährigen seien mehr Frauen, bei den über 30-Jährigen mehr Männer betroffen.