Wien. Die Anklage in der mutmaßlichen Kursmanipulationsaffäre um die Telekom Austria, die den fünf Beschuldigten am Mittwoch per Mail, aber anscheinend noch nicht ordnungsgemäß per Gerichtspost zugestellt worden ist, hat wie eine Bombe eingeschlagen.

Wie berichtet, werden Rudolf Fischer, Heinz Sundt, Stefano Colombo, Josef T. und Johann Wanovits der Untreue verdächtigt - in Zusammenhang mit der Auslösung eines 8,87 Millionen Euro schweren Aktienoptionsprogramms für 95 Telekom-Manager. Sie sollen nur durch heimlich abgesprochene und kurssteigernde Aktienkäufe des Brokers Wanovits am Stichtag 26. Februar 2004 in den Genuss der Prämienzahlungen gekommen sein. Sundt, Colombo, Wanovits und Josef T. bestreiten die Vorwürfe, Fischer soll ein Teilgeständnis, darin geht es um 500.000 Euro, abgelegt haben. Der tief in die Affäre involvierte Ex-Telekom-Controller Gernot Schieszler, der die Bezahlung der Risikoprämie für Euro Invest-Banker Wanovits mitorganisiert haben soll, dürfte in den Genuss der Kronzeugenregelung kommen.

Verfahren vor Einstellung


"Aufgrund seiner Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft wird ein Vorgehen nach Paragraf 209a Strafprozessordnung erwogen", heißt es in der Anklageschrift. Das bedeutet: Rücktritt von der Verfolgung. Folglich wird dieses Verfahren gegen Schieszler, der von Anwalt Stefan Prochaska vertreten wird, eingestellt werden. Indes wird Schieszler in der Hauptverhandlung als Zeuge der Staatsanwaltschaft auftreten.

"Die Glaubwürdigkeit der Angaben von Schieszler wird dadurch unterstrichen, dass seine Ausführungen am Beginn der Ermittlungsmaßnahmen im Faktenkomplex ‚Stock Options‘ standen und sich diese im Zuge der weiteren Ermittlungsschritte sukzessive durch Kontrollbeweise und vor allem durch weitere (Tatsachen-)Geständnisse von Mitbeschuldigten unterlegen ließen, wie aus der chronologischen Aufstellung des Ablaufs der Ermittlungsmaßnahmen ersichtlich ist", lobt Staatsanwalt Hannes Wandl auf Seite 28 der 48 Seiten starken Anklageschrift den Belastungszeugen. "Was den Hergang der Gespräche zwischen Schieszler, dem Telekom-Prokuristen Josef T. und Johann Wanovits in den Tagen vor und am 26. Februar 2004 anlangt, so decken sich die Ausführungen im Wesentlichen." Nachsatz: "Bestimmte Abweichungen in der Erzählung sind verständlich, wenn man erwägt, dass seit den Tathandlungen mittlerweile mehr als sieben Jahre vergangen sind."

Kleine Unterschiede?


So soll Josef T. angegeben haben, dass ihn Broker Wanovits "in Bezug auf den Telekomkurs angesprochen habe". Zur Erklärung: Der Tagesschlusskurs der Telekomaktie war damals öfters auffällig gedrückt worden.

Schieszler soll hingegen ausgesagt haben, dass Josef T. an ihn mit der Idee der Euro Invest/Wanovits herangetreten sei. Indes behauptet Wanovits laut Staatsanwalt, dass der Telekom-Prokurist Josef T. von sich aus zu ihm, Wanovits, gekommen sei und "ihn gefragt habe, wie denn der Kurs der Telekom Austria ausschaut".

Wanovits Angaben erscheinen dem Ankläger "eher unwahrscheinlich", weil Josef T. "den Aktienkurs auch einfacher durch einen kompetenten Mitarbeiter der Telekom erfragen hätte können."

"Übereinstimmung" herrscht laut Staatsanwalt aber unter den drei Beschuldigten, Schieszler, Wanovits und Josef T., darüber, dass im Vorfeld des D-Days, 26. Februar 2004, über die konkrete "Bezahlung" von Wanovits gesprochen wurde. "Schieszler, Wanovits und T. schilderten diese Besprechung über die Risikoabgeltung (für Wanovits), wobei die Höhe der letztendlich vereinbarten Prämie in der Erinnerung abweicht", stellt Wandl klar. "Angesichts des übermittelten Betrages erscheint der von Schieszler genannte Betrag von zumindest 1,5 Millionen Euro zutreffend", meint der Staatsanwalt. Schon allein die Bargeldübergaben und Gegengeschäfte würden mehr als eine Million Euro ausmachen. Wanovits spricht von einer Million Euro Risikoprämie und bestreitet Schein-
Gegenschäfte.