Wien. Für die einen offensichtlich eine Freakshow, für die anderen der krönende Abschluss für außergewöhnliche Leistungen: Donnerstag wurden die jugendlichen Cyberexperten Österreichs im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien ausgezeichnet. Davor waren die Finalisten in Teams zwei Tage lang im "Hacker-Lab" gegeneinander angetreten. Fazit der ersten Cyber Security Challenge Österreichs: Der heimische Nachwuchs schnitt im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut ab. Die Betreuer überraschte die Geschwindigkeit, Teamfähigkeit und das Strategieentwicklungspotenzial, das die Finalisten an den Tag legten.

Gesamt nahmen an der im Juni gestarteten "Hacker-Challenge" fast 400 Jugendliche teil. Das Finale, das vom 6. bis 7. November im Rahmen der Sicherheitskonferenz für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Pamhagen im Burgenland stattfand, bestritten zehn Burschen zwischen 16 und 25 Jahren. Für die Lösung der Aufgaben war "ein Grundverständnis für das System sowie das Erkennen und Ausnutzen von Systemschwachstellen nötig", so der Schweizer Ivan Bütler, Betreiber des Hacker-Labs, zur "Wiener Zeitung". Um die volle Punktezahl zu erreichen, mussten aber auch Lösungsvorschläge präsentiert werden, wie man sich vor Angriffen schützt. Die völlige Absenz von Frauen unter den Finalisten überrascht Bütler nicht. "Diese Berufsgattung ist eine absolute Männerdomäne. Es gibt sehr, sehr selten weibliche Teilnehmer."

Was Bütler, der international bereits fünf solcher Veranstaltungen betreute sehr wohl überraschte, war, dass in Österreich die Initiative für die Challenge von "regierungsnahen Parteien" ausgegangen war. In anderen Ländern wären die Antreiber meist aus dem universitären Bereich oder private Firmen, die Mitarbeiter für den Bereich rekrutieren möchten. "Diese strategische Ausrichtung ist neu für mich", so Bütler. Initiiert wurde die Challenge vom Verein Cyber Security Austria in Kooperation mit dem Kuratorium Sicheres Österreich.

Mikl-Leitner bezeichnet Talente als "Freaks"

Zur Siegerehrung eingeladen hatte das Bundesheer, Veranstalter war das Abwehramt im Rahmen der IKT-Sicherheitskonferenz. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sorgte mit ihrer Ansprache für große Verwunderung unter den Anwesenden. Aufgrund des Anstiegs der Cyberkriminalität um 150 Prozent benötige Österreich den Nachwuchs. "Wir brauchen solche Freaks, wie Sie es sind", tönte Mikl-Leitner in Richtung Finalisten. Anton Oschep, Leiter des Abwehramtes, hatte kurz davor noch von "jungen Löwen" gesprochen.

Christoph Rosse, 22-jähriger Wiener aus dem Siegerteam, konnte der Titulierung der Ministerin nichts abgewinnen. "Ich fand es unhöflich. Ich habe ihr dann auch nicht die Hand gegeben auf der Bühne." Der Softwareentwickler ist, gleich wie die anderen Finalisten, seit der Teilnahme heiß umworben. Schon während des Bewerbes habe es Jobangebote gegeben. Unterbeschäftigt ist der Angestellte auch so nicht, denn nach Dienstschluss warten alle seine Freunde mit ihren reparaturbedürftigen Laptops auf ihn.

Wer zehn klassische Nerds - Englisch für Streber - auf der Bühne erwartet hatte, wurde enttäuscht. Philipp Reitter spielt neben dem Computer viel Klavier und Golf. Der 19-Jährige ist wenig in der Szene unterwegs. "Die Kenntnisse bringt man sich im Normalfall selber bei", so der Tiroler. Er freut sich schon darauf, den gewonnenen Laptop neu aufzusetzen. Jürgen Brandl, 17-jähriger HTL-Schüler, übt sich trotz des Sieges seines Teams in Bescheidenheit. Er sieht sich nicht als besonders: "In unserer Klasse kann jeder viel", so der Oberösterreicher. Alle drei Finalisten empfanden die an sie gestellten Aufgaben als Herausforderung. Keiner von ihnen hätte einen Einzelbewerb bevorzugt. "In Teamarbeit funktioniert alles besser. Alleine hätten wir keine Chance gehabt", so die jungen Männer unisono.

Nach dem großen Erfolg wird die Challenge 2013 fortgesetzt. Geplant ist eine Erweiterung mit eigenem Wettbewerb für FH- und Universitätsstudierende sowie Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz zuzulassen.