Hunderte Hirtenlieder, zum Teil noch in Mundart verfasst, hat das Büro im Repertoire. - © fotolia
Hunderte Hirtenlieder, zum Teil noch in Mundart verfasst, hat das Büro im Repertoire. - © fotolia

Graz. "Stille Nacht, heilige Nacht" kennt man ja noch. Zumindest mit der ersten Strophe kann man sich über die musikalische Untermalung des Heiligen Abends retten. Bereits bei der zweiten Strophe tauchen allerdings oft die ersten Lücken auf - und der mit "hmhmhmhm" gesummte Text wird dann relativ eintönig. Auch das Anstimmen eines zweiten Liedes scheitert häufig an den fehlenden Worten. Das Grazer Büro für Weihnachtslieder schafft Abhilfe. Seit mittlerweile 22 Jahren bietet es im Advent seine Dienste an und hilft bei der Suche nach Weihnachtsliedern, -geschichten, -gedichten und Krippenspielen.

Die Servicestelle des Steirischen Volksliederwerkes ist in der Grazer Innenstadt zu finden. Liedersuchende melden sich aber auch per Mail, Post oder Telefon, wie Eva Maria Hois, eine der drei Mitarbeiterinnen des Büros, der "Wiener Zeitung" erklärt. "Anfragen kommen aus aller Welt - auch aus Australien, Südamerika oder Südafrika", sagt sie. Allein - wie sucht man nach einem Lied oder Text, wenn Letzterer gar nicht und die Melodie nur ansatzweise bekannt ist?

"Manche singen einfach ins Telefon", sagt Hois. Die "Erfolgsquote" liege immerhin bei 95 Prozent. Allerdings suche lediglich die Hälfte der rund 55 Besucher pro Tag nach einem konkreten Lied, Text oder Gedicht. Der Rest sei einfach an einer Sammlung der gängigsten Weihnachtslieder interessiert, die im Büro in Heftform aufliegt.

Suchen gegen das Vergessen


Die Suche nach einem bestimmten Lied gestaltet sich laut Hois mitunter etwas schwieriger. Das Register der Weihnachtsmusik umfasst rund 30.000 Eintragungen - neben alter und neuer alpenländischer Volksmusik sind Spirituals, Popsongs oder fremdsprachige Lieder wie "White Christmas" oder "Feliz Navidad" im Repertoire.

Bei Liedern wie diesen hilft das Büro für Weihnachtslieder eher mit Texten und fehlenden Strophen aus - bei "den hunderten Hirtenliedern aus den unterschiedlichen Bundesländern, die noch in Mundart verfasst sind, arbeiten wir gegen das Vergessen", sagt Hois. Ein Großvater, der sich an ein Lied aus seiner Kindheit erinnert und es an seine Enkel weitergeben will. Ein Lehrer, der seinen Schülern Gedichte aus der Region beibringen möchte. "Sie alle kommen mit der Suche im Internet nicht weit. Vor allem Noten spezieller Lieder sind selten zu finden", meint Hois.

Das Publikum in ihrem Büro sei gemischt. Auch Kinder und Jugendliche seien unter den Besuchern, die dann allerdings eher an Hits wie "Rudolph, the Red-Nosed Reindeer" interessiert seien.

Das Büro für Weihnachtslieder hat für alle ein offenes Ohr. Die Intention hinter dessen Gründung: "Wir wissen, dass viele Menschen das ganze Jahr über nicht singen. Zumindest zu Weihnachten würden sie dann doch gern - und können nicht, weil höchstens die Melodie, nicht aber der Text präsent ist", meint dazu Hois. Damit dieses Problem nicht dazu führt, dass gar nicht mehr gesungen wird, biete das Büro seine Hilfe an. Und könnte damit so manchen Singbanausen in die Bredouille bringen, der bisher aufgrund fehlender Lieder nicht einmal zu Weihnachten singen musste.