Der Staatsanwalt beschuldigt Mensdorff-Pouilly der Geldwäsche im Zusammenhang mit Rüstungsgeschäften. - © APAweb / Hans Klaus Techt
Der Staatsanwalt beschuldigt Mensdorff-Pouilly der Geldwäsche im Zusammenhang mit Rüstungsgeschäften. - © APAweb / Hans Klaus Techt

Wien. Eigentlich wollte er mit Hendln, Froschschenkeln, Schnecken und Straußen das große Geld machen, dann ist ihm aber das Rüstungsgeschäft dazwischen gekommen.

Der wegen Geldwäsche, falscher Zeugenaussage und Fälschung eines Beweismittels angeklagte Alfons "Graf Ali" Mensdorff-Pouilly hat sich zum Prozessauftakt am Mittwoch im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts als launiger Landwirt präsentiert, der durch Zufall vom britischen Rüstungskonzern BAE Systems als Berater für Osteuropa engagiert wurde.

Nicht schuldig in allen Anklagepunkten

Lobbying habe er dabei aber nicht betrieben und schon gar nicht Bestechungsgelder empfangen, sagte Mensdorff-Pouilly, der sich in allen Anklagepunkten nicht schuldig bekannte.

"Ich gehe davon aus, dass ich die Vorwürfe widerlegen kann in den nächsten Tagen", stellte Mensdorff-Pouilly zu Beginn seiner Einvernahme klar. Im Anschluss schilderte er seine Herkunft und seinen beruflichen Werdegang: Er habe 1980 den verschuldeten elterlichen Hof im Südburgenland übernommen in der Hoffnung, den Betrieb auf neue Beine stellen zu können. Er habe begonnen, "aus der Jagd Geld zu machen" und Flächen gepachtet und angekauft. Er habe es daneben mit dem Handel mit Froschschenkeln, Wild, Schnecken und sogar mit Straußen versucht, letzteres sei aber "ein Flop" gewesen.

Keine Qualifikation für den Berater-Job

1978 habe er dann Timothy Landon - den späteren Ehemann einer seiner Cousinen - kennengelernt, der ihm den Kontakt zu BAE Systems legte, erinnerte sich Mensdorff. Er bekam einen Berater-Vertrag. Seine Aufgabe sei es gewesen, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs für BAE den osteuropäischen Markt aufzuarbeiten. Es habe ja damals Manager gegeben, die den Unterschied zwischen Slowenien und der Slowakei nicht gekannt hätten. Diesen Unterschied zu erklären, sei aber nicht seine Leistung gewesen. Er habe Kontakte geknüpft und Informationen gesammelt.

Qualifikationen für diese Beratertätigkeit habe er "keine" gehabt, aber wenn man ein politisches Gespür habe, "nicht ganz deppert ist" und ein paar Verwandte und Bekannte im Osten habe, habe man Verbindungen. "Diese Verbindungen waren mehr wert als vier akademische Abschlüsse", so Mensdorff. Dadurch habe er Informationen und Kontakte bekommen, "die nicht so leicht zu kriegen waren".

Seine Beratung sei ausschließlich mündlich erfolgt, erläuterte der 59-Jährige. Die schriftlichen Berichte, die er BAE ablieferte, hätten nur der Administration gedient und daher auch "Bla-Bla" enthalten. Die habe er nicht einmal selbst geschrieben, sondern seine Mitarbeiter. "Ich kann quatschen, aber nicht schreiben", sagte Mendorff.

"Zahlungen zu Korruptionszwecken"

Die Staatsanwaltschaft glaubt allerdings nicht an eine harmlose Beratertätigkeit. Staatsanwalt Michael Radasztics meint viel mehr, dass sich BAE des "guten alten Beratervertrags bedient" habe, "um Zahlungen zu Korruptionszwecken in Europa und anderen Teilen der Welt zu ermöglichen". Mensdorff soll im Zeitraum 2000 bis 2008 von BAE Systems insgesamt 12,6 Mio. Euro bekommen haben. Mittels mehrerer Briefkastenfirmen sollen die Millionen weiterverteilt worden sein. Wo die Gelder gelandet sind und wer damit konkret geschmiert wurde, vermag die Staatsanwaltschaft allerdings nicht zu sagen. Ihr Verbleib "konnte nicht aufgeklärt werden", heißt es dazu im Strafantrag.

Dafür liege, so der Staatsanwalt, der Tatbestand der Geldwäsche zweifelsfrei vor. Die entsprechenden Zahlungsflüsse untermalte der Ankläger mit einer meterlangen Papierschlange, die er im Vorfeld im Schwurgerichtssaal aufhängen hatte lassen. Auf dieser waren die für die Anklagebehörde relevanten Überweisungen und Transaktionen penibel aufgezeichnet.

Radasztics ist zwar überzeugt, dass "Bestechung stattgefunden hat". Er könne dies aber nicht mit der für ein Strafverfahren nötigen Sicherheit nachweisen und daher auch nicht anklagen. Genau hier knüpft auch die Verteidigung an. Die Anklage wegen Geldwäsche sei eine "Notlösung", weil die Staatsanwaltschaft gar nichts gegen Mensdorff in der Hand habe, sagte Anwalt Harald Schuster. Auch den Vorwurf der falschen Zeugenaussage und Fälschung eines Beweismittels wies Schuster zurück: "Glauben Sie, wenn der Mensdorff was fälschen würde, wäre das nicht tipptopp?"

Mensdorffs Geschäftspartner Kurt D., der neben ihm auf der Anklagebank sitzt und diesem bei der Verschiebung der Gelder geholfen haben soll, bekannte sich am Mittwoch ebenfalls nicht schuldig.