Wien. Es ist kompliziert, dass Firmengeflecht, in das Alfons Mensdoff-Pouilly verwickelt ist. So kompliziert, dass der Graf selbst angibt, "zu blöd" gewesen zu sein, um die Verflechtungen zu verstehen. Am gestrigen zweiten Prozesstag am Landesgericht Wien ging es um deren Entwirrung.

Mensdorff, wegen Geldwäsche angeklagt, gab zunächst an, im Laufe der Jahre einen "höheren sechsstelligen Betrag" durch seine Beratertätigkeiten für den Rüstungskonzern BAE Systems lukriert zu haben. Zusätzlich erhielt der Angeklagte Geld von einer gewissen Foxbury International SA. Laut Staatsanwalt war der einzige Zweck der Firma, Gelder unauffällig von BAE an den Grafen fließen zu lassen. Bis zu 49.000 Euro jährlich sollen es gewesen sein - für Bürokosten. "Das war angenehm", kommentierte Mensdorff. Mit der Firma habe er aber sonst nichts zu tun gehabt, sein Mentor Timothy Landon sei Eigentümer gewesen. "Meinen Informationen nach hat sie zur Hälfte Ihnen gehört", wandte Richter Stefan Apostol ein. Mensdoff erklärte, er habe sich bei Landons Firmenstrukturen nie ausgekannt.

Foxbury ist nur eine von mehreren mutmaßlichen Briefkasten-Firmen, von denen Mensdoff Geld bezogen hat. Mithilfe der Broadmann Business SA sollen laut Staatsanwalt Michael Radasztics BAE-Gelder von über 15 Millionen Euro für die Beeinflussung von Aufträgen zugunsten des Rüstungskonzerns verwendet worden sein. Mensdorff bestreitet, Eigentümer von Brodmann zu sein. Er sei lediglich der Treuhänder gewesen. Landon habe mit der Firma in Projekte, die ihn interessiert haben, investiert. Aus Angst vor Rügen seiner eigenen Finanzberater, dass das Geld nicht sinnvoll angelegt sei, habe Landon seinen Vertrauten Mensdorff gebeten, als Eigentümer zu agieren: "Das war, wie wenn ich sein Taschengeld verteile".

Gegen Ende des Verhandlungstages thematisierte Richter Apostol den Eurofighter-Deal. Zunächst hatte Mensdorff in dem Bieterverfahren dem Gripen des schwedischen Saab-Konzerns zum Zuschlag zu helfen versucht. Auf Ersuchen von BAE machte er jedoch einen Rückzieher, sodass der Eurofighter von EADS zum Zug kam. BAE hatte über Beteiligungen an EADS und Saab beide Jets im Angebot und wohl errechnet, dass beim Eurofighter mehr zu verdienen war. In einem Bericht von Mensdorffs Firma MPA war zudem von aggressiven Zahlungen an wichtige Entscheidungsträger" die Rede. Dieser Vermerk habe Mensdorff "selber überrascht".