Wien. (temp) Regen und Schnee prägten die vergangenen Tage -Hochwasser und Lawinengefahr waren die Folge. Ein Unwetter wurde auch zwei Tourengehern aus Niederösterreich und Wien zum Verhängnis. Sie waren am Sonntag am Warscheneck in Oberösterreich von diesem überrascht worden und galten seitdem als vermisst. Erst Montagnachmittag fanden Einsatzkräfte die beiden Männer: nach einer Nacht am Berg stark unterkühlt und in lebensgefährlichem Zustand.

Die Suchaktion selbst war laut Bergrettung "extrem gefährlich": Wind und Lawinenwarnstufe 4 (von 5) erschwerten die Suche. Waren doch vor allem an der Nordseite der Alpen innerhalb von 48 Stunden mehr Niederschläge als normalerweise im gesamten Jänner gefallen. In den Nordalpen oberhalb von 1800 Meter Seehöhe fielen bis zu 150 Zentimeter Neuschnee - in den tieferen Lagen stieg aufgrund der durchnässten Böden die Murengefahr.

Besonders schwer traf es die Bewohner des obersteirischen Bezirks Liezen, wo es Überschwemmungen, Murenabgänge und Hangrutschungen gab. In Bad Aussee verschüttete eine Mure die Terrasse eines Wohnhauses - die vierköpfige Familie musste evakuiert werden. Ein Hang oberhalb des Einfamilienhauses in der Rudolfstraße war Sonntag kurz vor 23 Uhr in Bewegung geraten. Etwa 200 Kubikmeter Schlamm und Geröll rutschten ab. Auf Anordnung des Landesgeologen, der Montagfrüh den Hang untersuchte, wurde ein spezieller Bagger angefordert, mit dem Sicherungsmaßnahmen in Angriff genommen wurden. "Das Haus ist nicht unmittelbar bedroht, es soll eine Ablenkung für möglicherweise nachkommendes Material gebaut werden", sagte Josef Dick, Bezirkshauptmann von Liezen.

Ebenfalls evakuiert wurde ein Haus in Öblarn, das von einem Erdrutsch am Samstag um zehn Zentimeter verschoben worden war. Die 81-jährige Bewohnerin kam bei ihrer Schwester unter. Mitgerissene Bäume hatten die Außenwand durchbohrt und ragten ins Gebäude, in sämtlichen Wohnräumen entstanden Risse in Wänden und Decke.

Semmering-Schnellstraße war gesperrt

Sturmböen wüteten indes am Wochenende auf dem Werksgelände einer Holzverarbeitungsfirma in Kärnten: In Sachsenburg im Bezirk Spittal an der Drau rissen sie Teile der Flachdächer von mehreren Werkshallen weg, eines der etwa 50 Blechstücke landete auf den Gleisen der nahen Bahnstrecke. Der Zugverkehr zwischen Möllbrücke und Kleblach-Lind wurde am Sonntag für eineinhalb Stunden eingestellt.

In Niederösterreich war es der starke Schneefall, der am Montag vor allem im Süden des Landes für Behinderungen und gebietsweise Kettenpflicht sorgte. Die Semmering-Schnellstraße (S6) wurde zwischen Seebenstein auf niederösterreichischer und Mürzzuschlag auf steirischer Seite für Autos gesperrt, für Lkw galt Kettenpflicht.

Im Mostviertel fielen laut Amt der niederösterreichischen Landesregierung bis zu zehn Zentimeter Neuschnee. Im Raum Gaming, Scheibbs und Lilienfeld musste man in höheren Lagen mit Schneefahrbahnen und Kettenpflicht für Lkw rechnen.

Wintersportler in den Ybbstaler Alpen und im Rax-Schneeberggebiet wurden vor großer Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt: Der Neuschnee und der stürmische Wind der vergangenen Tage sorgten laut Lawinenwarndienst für mächtige Triebschneeablagerungen, weshalb in Hochlagen auch mit spontanen Lawinenabgängen und Schneebrettabgängen schon bei geringer Zusatzbelastung gerechnet werden müsse. In tieferen Lagen bestehe die Gefahr von Nassschneelawinen an Steilhängen. In den kommenden Tagen soll es weiter leicht schneien - eine Entspannung sei daher nicht in Sicht.

In tieferen Lagen lässt indes der "richtige" Wintereinbruch auf sich warten. Allein heute, Dienstag, ist laut Roland Reiter vom privaten Wetterdienst "Ubimet" mit Schnee in Wien zu rechnen. Die Tageshöchsttemperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt. Westlich von St. Pölten bleibe es mild - statt Schnee falle hier Regen. Mittwoch und Donnerstag sollen wechselhaft werden, die Schneefallgrenze sinkt im Norden auf 400, im Westen auf 800 Meter. Am Wochenende ist laut Reiter ebenfalls kein Kälteeinbruch zu erwarten, wenn auch die Temperaturen trotz sonniger Phasen leicht fallen. Für die Skigebiete bedeute das: "Probleme bei den Talabfahrten - oben wie im Wintermärchen".