Eurofighter über Österreich - der Chef der Luftwaffe arbeitete nach seiner Pensionierung für Mensdorff-Pouilly. - © APAweb/HBF/Reich
Eurofighter über Österreich - der Chef der Luftwaffe arbeitete nach seiner Pensionierung für Mensdorff-Pouilly. - © APAweb/HBF/Reich

Wien. Auch hochrangige Militärs haben für Alfons Mensdorff-Pouilly gearbeitet: Mit der Verlesung der Aussage, die der am 24. Dezember 2011 verstorbene ehemalige Chef der heimischen Luftwaffe, Josef Bernecker, im Ermittlungsverfahren deponiert hatte, ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht der Geldwäsche-Prozess gegen Mensdorff-Pouilly fortgesetzt worden.

Bernecker hatte nach seiner Pensionierung im Wiener Büro Mensdorffs als geringfügig Beschäftigter Berichte angefertigt, mit denen Mensdorff seine Berater-Leistungen für den britischen Rüstungskonzern BAE Systems legitimiert haben soll.

Laut Staatsanwaltschaft soll es sich dabei um weitgehend inhaltsleere Papiere gehandelt haben, die Bernecker formal für die Firma Valurex International SA verfasste und die dann bei BAE landeten. Als Grundlage der vierteljährlichen Berichte dienten Bernecker unter anderem Informationen von Radio Free Europe.

"Strategien entwickelt"

Der Brigadier wurde dabei von einer heute 32-jährigen Juristin unterstützt. Diese versicherte nun Richter Stefan Apostol im Zeugenstand, die Berichte hätten durchaus einen "finanziellen Wert" gehabt: "Es war eine Zusammenfassung von relevanten Ereignissen." Die Zeugin erklärte weiters, Mensdorffs Firma habe "Marketing-Beratung für BAE" gemacht und "Strategien entwickelt".

2006 hatte Bernecker aus gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeit für Mensdorff eingestellt, mit dem er die Leidenschaft für die Jagd und gutes Essen teilte. Die Berichte wurden im Anschluss von der Juristin hergestellt.

"Kronzeuge" erwies sich nicht als Stütze der Anklage

Der im Vorfeld seiner Aussage als "Kronzeuge der Anklage" apostrophierte Mark Cliff hat sich nur bedingt als Stütze für Staatsanwalt Michael Radasztics erwiesen. Der ehemalige Vermögensverwalter von Mensdorffs Mentor bei BAE Systems, Timothy Landon, der sich für das Wiener Gericht im Hastings Magistrates Court in der englischen Grafschaft East Sussex eingefunden hatte und im Wege einer Videokonferenz an ihn gerichtete Fragen beantwortete, bestätigte weder Mensdorffs angebliche Verwicklung in "Drittzahlungen" noch eine "Schmiergeld"-Besprechung" bei BAE Systems, an der Mensdorff laut Anklage teilgenommen haben soll.

Gegenüber dem britischen Serious Fraud Office (SFO) hatte Cliff noch erklärt, Mensdorff sei dabei gewesen, als Anfang Oktober 2001 bei BAE über "Drittzahlungen" diskutiert wurde, wobei sich die BAE-Manager dabei auf "liberale Zahlungen" und eine Verschleierungs-Taktik der Geldflüsse geeinigt haben sollen. Konkret hatte Cliff vor dem SFO in diesem Zusammenhang zu Protokoll gegeben: "Was hier besprochen wurde, war die Zahlung von Schmiergeldern."

Diese Aussage wollte der 55-Jährige gegenüber Richter Stefan Apostol nicht mehr aufrechterhalten. Er habe dem SFO "Suggestivfragen" beantwortet, ob es wirklich um Schmiergeld-Zahlungen ging, "habe ich nie sicher gewusst". Die Frage Apostols, worum es sich seiner Ansicht nach bei den besprochenen Zahlungen handelte, beantwortete Cliff mit "Ich weiß nicht." Die BAE-Manager hätten sich jedenfalls nicht zu Bestechungszwecken verschworen: "Ich habe nie etwas Derartiges gesehen."

Millionen flossen über "Alis Firma"

Einzig in einem Punkt belastete Cliff Mensdorff, indem er die Briefkastenfirma Brodmann Business S.A., mit der der "Graf" nichts zu tun haben will, diesem zurechnete. Seines Wissens sei dies "Alis Firma" gewesen, "aber ich kann nicht sicher sein", so Cliff.

Über Brodmann sollen 12,6 Mio. Euro geflossen sein, die BAE Systems laut Anklage Mensdorff zur Vornahme von Einflussnahme auf Beschaffungsvorgänge in Ost- und Mitteleuropa zur Verfügung gestellt haben soll. Mensdorff behauptet demgegenüber, die Firma habe dem 2007 an Krebs verstorbenen Timothy Landon gehört, für den er mit Brodmann-Geldern treuhändisch in dessen Auftrag Investitionen vorgenommen habe.