Ob sie die berufliche Karriereleiter hinaufklettern oder ob sie weiter in die Schule gehen wollen: Jugendliche werden an der oft schwierigen Schnittschnelle von Schule zu Beruf oder weiterführender Ausbildung begleitet und unterstützt. - © fotolia
Ob sie die berufliche Karriereleiter hinaufklettern oder ob sie weiter in die Schule gehen wollen: Jugendliche werden an der oft schwierigen Schnittschnelle von Schule zu Beruf oder weiterführender Ausbildung begleitet und unterstützt. - © fotolia

Wien. Etwa 75.000 Jugendliche in Österreich besuchen keine Schule, gehen keiner Arbeit nach und befinden sich nicht in beruflicher Fortbildung, ergab eine Erhebung des Instituts für Soziologie der Universität Linz. Diese Gruppe der "NEET"-Jugendlichen (Not in Education, Employment or Training) zwischen 16 und 24 Jahren betrifft somit sieben Prozent dieser Altersgruppe in Österreich und ist laut Studie vor allem "armen und bildungsfernen Familien" zuzuordnen.

Um diese Zahl, die Jugendarbeitslosigkeit und das Armutsrisiko zu reduzieren, hat das Sozialministerium das Projekt Jugendcoaching ins Leben gerufen, bei dem junge Menschen an der Schnittstelle von Schule zu Beruf oder weiterführender Ausbildung begleitet und unterstützt werden. Bereits im Jänner des Vorjahres starteten Pilotprojekte in der Steiermark und in Wien, im September folgte Salzburg nach - seit heuer wird Jugendcoaching österreichweit angeboten.

Im Pilotjahr nutzten rund 13.000 Jugendliche (45 Prozent davon weiblich) das kostenlose und freiwillige Angebot, die Tendenz war steigend, so Gabriele Krainz, die in der Stabsstelle des Bundessozialamtes das Jugendcoaching koordiniert. Ziel sei, heuer 22.000 Jugendliche zu erreichen, 2014 sollen es bereits 30.000 sein. Für 2013 habe das Sozialministerium rund 21 Millionen Euro bereitgestellt.

Jugendcoaching ist das Folgeprodukt des Clearing-Modells des Ministeriums, das es seit mehr als zehn Jahren in Österreich gab. Im Unterschied zum Jugendcoaching richtete sich dieses an eine ausgewählte Zielgruppe: Jugendliche mit schulischen, gesundheitlichen oder sozialen Problemen.

"Die Zielgruppe des Clearing-Modells wurde einfach im Laufe der Jahre zunehmend ausgeweitet", sagt Katharina Vogrin von der Landesstelle Steiermark des Bundessozialamtes zur "Wiener Zeitung". Jugendcoaching stehe nun allen zur Verfügung, die noch nicht 19 Jahre alt sind. Jugendliche mit einer Behinderung oder sonderpädagogischem Förderbedarf können es bis zum 25. Lebensjahr in Anspruch nehmen.

Österreichweit sind rund 40 Trägerorganisationen wie die Volkshochschule, Jugend am Werk oder "m.o.v.e. on" in das Projekt involviert. Insgesamt etwa 300 Pädagogen und Sozialarbeiter bieten derzeit an allen Pflichtschulen zu festgelegten Zeiten für Schüler des 9. Schulbesuchsjahres Jugendcoaching an, bis Ende des Jahres soll das laut Krainz an sämtlichen Schulen der Fall sein. Interessierte Schüler können von sich aus die Beratung in Anspruch nehmen oder es wird ihnen vom Lehrer nahegelegt, das Angebot zu nutzen. Wer bereits aus dem Schulsystem ausgeschieden ist, kann direkt in die Beratungsstellen der Trägerorganisationen kommen.

Neigungs- und Fähigkeitsprofil wird erstellt

Im Zuge des Coachings sind drei Stufen der Unterstützung möglich: Stufe eins umfasst Erstgespräche, die über mögliche nächste Schritte nach der Schule informieren. In Stufe zwei erfolgt eine detaillierte und individuelle Beratung, und Stufe drei richtet sich an Jugendliche, die eine intensive Begleitung im Sinne eines "Case Managements" benötigen. Dabei wird ein Neigungs- und Fähigkeitsprofil erstellt, auf dem basierend konkrete Fördermaßnahmen erarbeitet werden. Diese Stufe dauert maximal ein Jahr. "Ziel ist, dass Jugendliche den höchstmöglichen Abschluss schaffen", sagt Vogrin - was bedeute, dass Hauptschülern hauptsächlich bei der Suche nach einer geeigneten Lehre und AHS-Schülern beim Finden einer weiterführenden Fachhochschule oder eines Studiums geholfen werde. Haben doch derzeit mehr als 40 Prozent der Arbeitslosen höchstens einen Pflichtschulabschluss.

"Wichtig ist, die Jugendlichen in der Ausbildung zu halten und nicht zu verlieren", ergänzt Jennifer Davies, die an Wiener Volkshochschulen das Coaching koordiniert. Denn jene, die mit der Schule aufhören und schließlich nichts mehr tun, liefen Gefahr, in ein tiefes Loch zu fallen. Generell seien freilich jene Jugendlichen Hauptzielgruppe, die vonseiten des Elternhauses kaum oder gar nicht unterstützt werden.

In Wien hatte circa die Hälfte der Jugendlichen, die im Vorjahr das Angebot in Anspruch nahmen, Migrationshintergrund. "Die Probleme sind hier vor allem Deutsch als Zweitsprache und dadurch bedingte schlechte Noten", sagt Davies. Laut eingangs erwähnter Studie ist jeder fünfte junge Migrant ohne Ausbildung, Betreuung oder Job. "Die Jugendcoaches nehmen sie an der Hand und zeigen ihnen, was sie erreichen können."