Wien. Die großen Schneemengen, die in der Vorwoche auf Österreich herab schneiten, freuten zwar den Tourismus - die "weiße Pracht" ist allerdings trügerisch: In weiten Teilen des Landes wurde am Montag vor erheblicher Lawinengefahr der Stufe 3 von 5 gewarnt. Bereits neun Menschen sind in der heurigen Saison durch Lawinen ums Leben gekommen. Erst am Montag wurde das vorerst letzte Todesopfer geborgen: ein Skitourengeher, der am Sonntag auf dem Göller in den niederösterreichischen Kalkalpen von einem Schneebrett mitgerissen worden war.

Die Gefahr von Blitzeis, das in Deutschland Flüge ausfallen und Straßen vereisen ließ, sei in Österreich indes gering, betont Martin Puchegger vom privaten Wetterdienst "Ubimet" im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Unser Glück: Kaum Regen und bereits gesalzene Straßen aufgrund der heftigen Schneefälle der Vorwoche. "Blitzeis ist vor allem nach Kahlfrostperioden ohne Niederschlag eine Gefahr: wenn Regen aus wärmeren und daher leichteren, höheren Luftschichten in die kalte, bodennahe Luft fällt - und hier auf der blanken Straße sofort gefriert."

Zurzeit ist es also eher die Schneedecke, die Gefahrenpotenzial birgt - indem sie durch das Föhnwetter der vergangenen Tage "störanfällig" wurde, wie Andreas Pecl von der Vorarlberger Landeswarnzentrale erklärt. Zwar hätten die milden Temperaturen zur Setzung und Verfestigung des Neuschnees geführt, die umfangreichen Triebschneeansammlungen etwa hinter Geländekanten oder in Kamm- und Passlagen lägen aber meist auf lockeren, labilen Schichten. Triebschnee ist vom Wind verblasener Schnee, der sich an einer windgeschützten Stelle abgelagert hat. Mit steigender Seehöhe seien diese Ansammlungen zunehmend abrutschgefährdet, so Pecl. Erst für die nächsten Tage erwarte er einen Rückgang des Risikos.

Gefährliches Steilgelände


Am Montag herrschte allerdings noch vielerorts Lawinengefahr der Stufe 3. So auch in den Vorarlberger Bergen oberhalb von 2000 Metern. Als besondere Gefahrenstellen nannte Pecl eingewehtes Steilgelände. Schneebrettauslösungen seien hier bei geringer Zusatzbelastung möglich.

Auch in Kärnten stieg die Gefahr laut Lawinenwarndienst an. In den höheren Lagen der Karnischen Alpen und der Karawanken war sie sogar groß (Stufe 4). In Tirol herrschte oberhalb von etwa 2000 Metern die Stufe 3. Vor allem entlang des Alpenhauptkammes und in Osttirol waren die Triebschneepakete oft überschneit und daher im Gelände nur schwer zu erkennen.

In den Ybbstaler Alpen sowie im Rax-Schneeberg- und Semmering-Wechselgebiet in Niederösterreich herrschte von der Waldgrenze aufwärts ebenfalls Stufe 3, genauso wie in den höheren Lagen Oberösterreichs und in weiten Teilen Salzburgs.

Die Zahl der Lawinentoten schwankt im langfristigen Vergleich stark - haben doch Wetter und Schneelage laut Michael Larcher, Bergsport-Leiter des Österreichischen Alpenverein, einen viel größeren Einfluss auf diese Statistik, als die Anzahl der Tourengeher. Letztere hätten sich in den vergangenen 15 Jahren vervierfacht. Gleichzeitig angestiegen ist laut Larcher die Qualität der Ausrüstung: Lawinensuchgerät ("Piepserl"), Schaufel sowie Lawinensonde gehören bereits zur Standardausrüstung.