Feldkirch. In den beiden Zivilverfahren ehemaliger Missbrauchsopfer gegen das Bregenzer Zisterzienser-Kloster Mehrerau ist eine erste Entscheidung gefallen: Das Landesgericht Feldkirch hat in beiden Fällen das Zwischenurteil festgestellt, dass keine Verjährung vorliegt - obwohl sich die Fälle in den Jahren 1968 und 1982 zugetragen haben. Noch offen ist die Haftungs- sowie die Entschädigungsfrage.

Geklagt haben das Kloster ein 58- und ein 46-jähriger Mann. Sie fordern Schmerzengeld und Verdienstentgang in Höhe von 200.000 beziehungsweise 135.000 Euro. Hinsichtlich der Verjährung der Vorfälle gab der 58-Jährige vor Gericht an, dass ihm erst durch das Bekanntwerden der Missbrauch-Skandale vor drei Jahren die Übergriffe bewusst geworden seien.

Wie es in den Verfahren weitergeht, ist noch offen. Akzeptiert das Kloster die Entscheidungen des Gerichts, würden die Prozesse zur Klärung der Haftungsfrage beziehungsweise der Höhe des Schadenersatzes fortgesetzt. Das Bregenzer Kloster Mehrerau hat nach dem Zwischenurteil noch keine Entscheidung über das weitere Vorgehen gefällt, erklärte am Mittwoch Anwalt Bertram Grass. Man habe das Urteil gerade erst erhalten und es überflogen. "Ich werde dem Kloster jedenfalls empfehlen, die Entscheidung zu bekämpfen", sagte Grass. Damit dürften die Verfahren mit einer Berufungsverhandlung am Oberlandesgericht Innsbruck weitergehen.

Laut den Schilderungen der beiden Männern wurden sie in ihrer Zeit im Internat des Klosters von demselben Pater schwer sexuell missbraucht und vergewaltigt. Der Geistliche wurde 1967 wegen eines Missbrauch-Vorfalls rechtskräftig verurteilt, ging aber am Kloster weiter seiner Arbeit als Seelsorger und Pädagoge nach. Der damalige Abt Kassian Lauterer sagte vor Gericht aus, von jenem Missbrauchsfall gewusst zu haben. Von der rechtskräftigen Verurteilung habe er aber erst 2004 erfahren. Es sei ein Fehler gewesen, den Mann damals weiter mit Jugendlichen arbeiten zu lassen, bekannte Lauterer.