Wien. Die Firmen-Mitarbeiter scharen sich um eine Feuerschale, in der Flammen lodern. Jeder richtet ein Wort in Richtung Feuer, dazu wird getrommelt. Dass es sich bei dem Ritual um eine Unternehmensberatung handelt, scheint auf den ersten Blick verwunderlich: Immer mehr Firmen setzen allerdings auf alternative Methoden wie diese, um interne Abläufe zu optimieren und ihre Mitarbeiter zu motivieren.

Kurt Fenkart, Gründer und Betreiber der internationalen Akademie für Schamanismus in Oberösterreich, bestätigt diesen Trend. "Firmen greifen vermehrt auf Schamanen zurück, vor allem wenn es um Entspannung, Stressabbau oder Teamgeist geht", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Akademie bildet seit 2006 Schamanen aus, Fenkart selbst bietet Unternehmensberatung an. Auch viele große Firmen zählen zu seinen Kunden - welche genau, das möchte Fenkart allerdings nicht in der Zeitung lesen. "Schamanismus hat noch immer diesen Esoterik-Touch, mit dem viele nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Daher heißen meine Seminare auch nicht ,Schamanismus-Rituale‘, sondern etwa ,Naturrituale für mehr Freude am Beruf‘."

Auch Helmut Löffler, ein Schamane aus Seibersdorf in Niederösterreich, hat sich auf das Gebiet der Unternehmensberatung spezialisiert und sich damit mit Beginn des Jahres selbständig gemacht. Unternehmen haben seiner Ansicht nach eine Seele, die es zu pflegen gilt "und die sich aus allen Seelen der Mitarbeiter formt".

Je mehr Mitarbeiter an den Ritualen teilnehmen, desto effektiver seien sie daher. Zuerst müsse Löffler jedoch den energetischen Zustand der Firma einfangen - indem er sich für ein Erstgespräch mit den Verantwortlichen des Unternehmens in diesem trifft. "Danach führe ich eine energetische Reinigung durch."

Wer jetzt an Räucherstäbchen und Formeln murmelnde Schamanen denkt, liegt falsch. Die Rituale sind laut Löffler vielgestaltig - und kosten ab 450 Euro aufwärts. Das eingangs erwähnte Verbrennen von Opfergaben wie etwa Wortspenden ist eines davon. Löffler geht mit den Teilnehmern auch gerne in die Natur - etwa, um eine indianische Schwitzhütte mit ihnen zu bauen: eine Art Iglu aus Weidenruten, in dem sich anschließend alle versammeln und Steine zum Glühen gebracht werden. "Das Schwitzen ist reinigend", so Löffler, "im Prinzip geht es aber auch darum, dass man gemeinsam etwas errichtet." Förderlich für den Teamgeist sei freilich auch das kollektive Trinken: Rotwein als Symbol für das Blut der Mutter Erde. Antialkoholiker trinken Traubensaft.

"Schamanismus ist wie Homöopathie"


Wie die Rituale konkret auszusehen haben, weiß Löffler nach einer Eingebung im Trancezustand. Daher ähneln sie zwar Zeremonien von Schamanen aus der Mongolei, Sibirien oder Peru, sind aber im Detail "genau so, wie es der Kunde braucht". Auch ein neues Firmenlogo könne oft helfen, die Seele zu kurieren. In Übereinstimmung mit den Firmenzielen sucht Löffler dann das passende "Kraftsymbol" aus.

Ob diese Art der "Heilung" nun zum Erfolg führt oder nicht: Hans-Georg Göttling, Berufsgruppensprecher der Unternehmensberater in Wien, hält sie für "weit entfernt von dem, was Unternehmensberatung in Wahrheit ist". Dabei gehe es darum, "das System mit einem soliden Hintergrundwissen zu verstehen und zu verbessern". Den Schamanismus vergleicht er mit Homöopathie: Scheinbare Erfolge gäbe es nur dann, wenn man es sich einrede. Dass Schamanen einmal zu Konkurrenten werden, fürchte er daher nicht.