Wien. Gleich nach den ersten beiden untersuchten Proben war es Gewissheit: In Österreich ist falsch deklariertes Faschiertes auf den Markt gelangt, dem Pferdefleisch beigemengt wurde. Die Pasta "Tortelloni Rindfleisch", verkauft beim Diskonter Lidl, enthält einen noch unbekannten Anteil an Pferdefleisch, so die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages), welche die Lebensmittelproben untersucht, am Freitag. Österreich ist nach Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland und Schweden das sechste Land, das vom Fleischskandal betroffen ist.

"Das Produkt wird gerade aus dem Verkehr gezogen", ließ ein Lidl-Sprecher ausrichten; der Konzern ist laut Gesundheitsministerium dazu gesetzlich verpflichtet. Unbekannt ist jedoch, welche Menge an Tortelloni aus den Warenregalen verschwinden muss und ob der Hersteller weitere Produkte für Lidl erzeugt - der Handelskonzern war gegenüber der "Wiener Zeitung" nicht zu einer Stellungnahme bereit. Kunden, die den Artikel gekauft haben, erhalten den Kaufpreis in den Lidl-Filialen auch ohne Rechnungsbeleg rückerstattet.

Erzeuger des Produkts ist die deutsche Gusto GmbH, die zur Hilcona AG mit Sitz in Liechtenstein gehört. Auch dort gab man sich schmallippig. Hilcona ließ nur schriftlich verlautbaren, "als Hersteller des betroffenen Produktes verarbeiten wir aber selbst kein Frischfleisch und beziehen unser Fleisch von Lieferanten. Daher muss es sich um eine fehlerhaft deklarierte und gelieferte Rohware des Lieferanten handeln." Mit der "Besseresser-Garantie", mit der Hilcona wirbt, ist der Fleischskandal jedenfalls nur schwer vereinbar.

Doch nicht nur in Österreich wurden die Pferdefleisch beinhaltenden Hilcona-Teigwaren verkauft: In Deutschland nahm Lidl die Tortelloni aus den Regalen. Später wurde bekannt, dass Spuren von Pferdefleisch auch in einem Fertigprodukt des deutschen Lebensmittelherstellers Dreistern-Konserven GmbH & Co KG aus dem brandenburgischen Neuruppin gefunden wurden: "Rindergulasch 540g Omnimax" sei über mehrere deutsche Handelsketten vertrieben worden.

Untersuchung auf Medikament ausgeweitet

Sie gehe davon aus, dass noch weitere Pferdefleisch-Proben gefunden werden, sagte Carolin Krejci vom Gesundheitsministerium in der ORF-"ZiB2": Schließlich wurde erst eine geringe Zahl von Rindfleisch-Produkten getestet.

Die positiv in Wien auf Pferdefleisch getestete Lebensmittelprobe wird nun zusätzlich auf Phenylbutazon untersucht, erklärte der Sprecher von SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger gegenüber der "Wiener Zeitung". Dieses Schmerzmittel für Pferde, das auch bei Tierdoping verwendet wird, wurde bei mehreren in Großbritannien geschlachteten Pferden nachgewiesen.

Unterschiedliche Wege gehen die Handelsketten im Umgang mit der Krise: Die Konzernsprecherin von Spar war am Freitag nicht erreichbar. Marktführer Rewe teilte mit, keine Geschäftsbeziehungen mit der Gusto GmbH zu unterhalten. Zudem müssten Hersteller der Rewe-Eigenmarken garantieren, dass ihre Produkte kein Pferdefleisch enthalten.