Wien. Am Montag hat der Diskonter Lidl präventiv die Pasta
"Combino Penne Bolognese" 750 Gramm des Herstellers Copack/Frosta vom Markt genommen.
Die Sperre des Produkts sei vorausschauend geschehen, da der betroffene Artikel
"ins Profil passt", erklärte ein Sprecher des Diskonters auf Anfrage der
Austria Presse Agentur – auch hier könnte Pferdefleisch illegalerweise dem
Rindfleisch beigemengt worden sein. Damit räumt Lidl bereits das zweite Produkt
aus den Regalen; in der vergangenen Woche wurde Pferdefleisch in Tortelloni
gefunden, die unter der Handelsmarke Gusto der Liechtensteiner Hilcona von Lidl
in Deutschland und Österreich vertrieben wurde.

Der Verdacht, dass sich in dem vom Markt genommenem Produkt Pferdefleisch befindet, erhärtete sich am Montagabend. Eine Eigenuntersuchung habe nun den Gehalt von Pferdefleisch bestätigt, erklärte ein Sprecher von Lidl, er konnte allerdings nicht sagen, wie hoch der Pferdefleisch-Anteil ist. Wegen der kurzen Spanne, in der die Penne erhältlich waren, seien nicht allzu viele Packungen verkauft worden, wer das Produkt jedoch bereits erstanden hätte, würde den Kaufpreis auch ohne Vorweis des Beleges zurückbekommen.

Auch Spar bietet Hilcona-Waren an, etwa zählen "Ravioli Bolognese" zum Sortiment. Im Gegensatz zu Lidl gebe es bei Spar jedoch kein Pferdefleisch in den Produkten des Liechtensteiner Herstellers. "Alle Produkte sind in Ordnung und nichts muss aus dem Sortiment genommen werden", sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann zur "Wiener Zeitung". Die Nummer zwei im österreichischen Handel habe die Kontrolle verstärkt und in der hausinternen Qualitätssicherung Labortests durchgeführt, um sich abzusichern. Zudem wurden von den Lieferanten Garantien eingefordert, dass den Produkten kein Pferdefleisch beigemengt worden sei - eine solche Gewährleistung verlangt auch Konkurrent Rewe von Lieferanten in Österreich.

Ungemach steht Rewe dennoch ins Haus. Zwei Produkte hat der Konzern in seinem Heimatmarkt Deutschland zurückziehen müssen: Rewe Chili con Carne 350g sowie Rewe Spaghetti Bolognese 400g. Laut Rewe Österreich werden beide Produkte hierzulande aber nicht bei Billa, Merkur oder Penny verkauft.

Betroffen sind in Österreich und Deutschland bisher also hauptsächlich Produkte, die für Diskonter hergestellt werden, oder als Eigenmarken großer Handelskonzerne dienen. Ob mit dem geringeren Preis gegenüber Markenprodukten auch eine größere Pferdefleisch-Gefahr einhergeht, vermag niemand seriös zu beantworten. "Alle Produkte der Marke Hilcona in Österreich enthalten nach umfassenden DNA-Analysen nur reines deklariertes Rindfleisch", lässt deren Pressesprecher ausrichten.

Kebab als nächster Skandalfall?

37 Lebensmittelproben aus Österreich sind bisher bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) in Wien eingetroffen, bis Ende Februar werden laufend Proben angeliefert und analysiert. Gut möglich aber, dass das Gesundheitsministerium seine Schwerpunktaktion über Fertiggerichte mit Rindfleisch erweitern muss: Bei einem Test von 20 Imbissständen in Deutschland fanden Ermittler in einem Kebab Spuren von Pferdefleisch, außerdem wurde ein Schweinefleischanteil von bis zu sieben Prozent nachgewiesen. Diese Nachricht birgt auch religiösen Sprengstoff, da gläubigen Muslimen Schweinefleisch-Konsum untersagt ist.

Schon vor 13 Jahren untersuchte der Verein für Konsumenteninformation (VKI) Wiener Kebab-Stände. Schweinefleisch wurde in den Produkten damals nicht entdeckt, allerdings coliforme Bakterien. Ein relativ hoher Fettgehalt und stark schwankender Fleischgehalt waren damals weitere Ergebnisse der Untersuchung; Letzterer schwankte zwischen 28 und 51 Prozent pro Kebab.

Hilcona ist um Schadensbegrenzung bemüht. Der Konzern stellt "seine Produkte auf Schweizer Rindfleisch mit Herkunft und kurzen Wegen um", richtete der Pressesprecher am Montag der "Wiener Zeitung" schriftlich aus. Zuvor hatte Hilcona erklärt, die Rohware für das von Lidl zurückgezogene Produkt "Combino Tortelloni Rindfleisch" sei vom Fleischlieferanten Vossko aus dem deutschen Münsterland gekommen, es enthalte undeklariertes Pferdefleisch. Ein Sprecher von Vossko bestätigte, dass Hilcona die Zusammenarbeit mit Vossko aufgekündigt habe: "Wir lassen durch zwei Labore Proben unserer vier Rindfleisch-Lieferanten aus den vergangenen neun Monaten untersuchen." Bei den Lieferanten handle es sich um drei deutsche Partner und einen aus dem europäischen Ausland.

Laut dem Sprecher sei das Unternehmen ein "reiner Verarbeitungsbetrieb". Vossko kaufe das Fleisch, zerkleinere und brate es und liefere es dann an Handel und Industrie eingefroren als Zutat für verschiedene Gerichte.