Wien. Das Risiko, durch eine Bluttransfusion mit dem HI-Virus infiziert zu werden, ist mit 1 zu 2,5 Millionen extrem gering - und doch ist es geschehen: Eine Patientin mit Magenblutung hat in einem Spital in Österreich eine solche Blutkonserve verabreicht bekommen. Das Blut stammte von der Spendenzentrale des Roten Kreuzes für Wien, Niederösterreich und das Burgenland, dass es HI-Viren enthielt, war aufgrund des sogenannten diagnostischen Fensters bei den Routineuntersuchungen nicht feststellbar.

Der Spender hatte sich erst so kurz vor der Blutspende infiziert, dass die HI-Viren nicht in ausreichender Zahl vorhanden waren, um durch die dem internationalen Standard entsprechenden Tests durch das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) festgestellt zu werden, erläuerte dessen Generalsekretär Werner Kerschbaum am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Wien. Erst am Mittwoch lag das Ergebnis einer Spezialuntersuchung vor, die durchgeführt wurde, nachdem bei der betroffenen Patientin eine HIV-Infektion diagnostiziert wurden war.

Die Frau hat bereits eine antiretrovirale Kombinationstherapie erhalten und ist nach Angaben von Norbert Vetter, HIV-/Aids-Experte am Otto-Wagner-Spital in Wien, wo diese Behandlung durchgeführt wird, derzeit frei von Symptomen. Er geht davon aus, dass die Patientin eine normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität hat, sagte der Spezialist bei der Pressekonferenz.

"Absolute Sicherheit gibt es nicht"

Man sei sehr betroffen durch den Fall, versicherte Kerschbaum. "Die absolute Sicherheit - die gibt es bei einer Bluttransfusion nicht und wird es nach Auskunft von Spezialisten auch nicht geben", sagte der ÖRK-Generalsekretär. Die Überprüfung von Spenderblut erfolge nach international anerkannten Kriterien. "Es liegt kein schuldhaftes Verhalten der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und Burgenland vor", konstatierte der Generalsekretär.

Der aktuelle Fall einer HIV-Infektion durch eine Bluttransfusion ist der erste beim Roten Kreuz seit 15 Jahren mit sechs Millionen bereitgestellten Blutkonserven, nicht aber die absolute Ausnahme: In Oberösterreich habe es 2007 oder 2008 einen solchen Fall gegeben, beim RK selbst zuletzt 1998 - ebenfalls verursacht durch ein diagnostisches Fenster, wie Kerschbaum sagte. In RK-Blutspendezentralen sind in den vergangenen Jahren in 14 Fällen HI-Viren in Blutkonserven gefunden worden. In einem solchen Fall wird der Spender angeschrieben und zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Ein Spender könne für eine Infizierung haftbar sein - schuldhaftes Verhalten vorausgesetzt.