Wien. "Lidl lohnt sich", lautet der Werbeslogan des deutschen Diskonters. Derzeit gilt dies insbesondere für die Suche nach Produkten, in die als Rindfleisch etikettiertes Pferdefleisch beigemengt wurde. Die in Österreich verkaufte "Combino Tomatensauce Bolognese" enthält Pferdefleisch, gab "Vier Pfoten" am Donnerstag bekannt; die Tierschutzorganisation stützt sich auf eine Analyse eines Labors, das im Auftrag von "Vier Pfoten" Lebensmittelproben untersucht hat. Es ist bereits das dritte bei Lidl entdeckte Pferdefleisch-Produkt: Betroffen waren auch "Tortelloni Rindfleisch 400g" des Liechtensteiner Herstellers Hilcona und "Combino Penne Bolognese 750 Gramm" von Copack/Frosta - die bereits aus dem Sortiment genommen wurden.

Vorläufige Entwarnung gibt es hingegen bei Landhof. Die Linzer Firma schließt aufgrund aktueller Testergebnisse aus, dass Pferdefleisch in ihren Produkten, die nach Russland geliefert wurden, enthalten ist. Die Lieferchargen der betreffenden Exporte seien von einem unabhängigen Labor überprüft worden, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Unklar ist noch immer, worauf sich der Verdacht der russischen Behörden stützt und wie viel Pferdefleisch festgestellt wurde - etwa ob es sich um eine Verunreinigung handeln könnte oder doch um eine Beimengung. Die beanstandeten Proben seien von den russischen Behörden noch nicht zur Verfügung gestellt worden, lediglich die Chargennummern seien bekanntgegeben worden, erklärte der oberösterreichische Konsumentenschutzlandesrat Rudi Anschober (Grüne).

"Gütesiegelflut" eindämmen


Die Causa Pferdefleisch ruft auch Forderungen der Politik auf den Plan: SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier trat am Donnerstag vehement für eine Eindämmung der "Gütesiegelflut" durch die Schaffung eines Gütezeichengesetzes ein - eine langjährige Forderung des grünen Landwirtschaftssprechers Wolfgang Pirklhuber. Maier verlangt nun, das AMA-Gütesiegel sollte bestehen bleiben, allerdings müsste es auf verarbeitete Lebensmittel erweitert werden. Eine Rückverfolgungsdatenbank, also eine "elektronische Reiseroute" der Produkte, könnte dafür sorgen, dass "jeder Verarbeitungsschritt dokumentiert ist".

Heftige Kritik übte Maier an der heimischen Lebensmittelkontrolle. Diese sei noch auf eine "regionale Kreislaufwirtschaft" ausgerichtet und dementsprechend "völlig veraltet". Laut Lebensmittelsicherheitsbericht aus dem Jahr 2011 erfüllt fast keines der Bundesländer die Proben- und Kontrollquoten - einzig Wien hat alle Planvorgaben bei Probenziehungen und Betriebskontrollen zu mehr als 100 Prozent erfüllt. Besonders säumig war Vorarlberg, hier lag die Planerfüllung bei Betrieben lediglich bei 28 Prozent, bei Fleischbetrieben bei 45 Prozent.

Verteilung an Bedürftige


Jene Tiefkühlgerichte mit Pferdefleisch, die wegen falscher Etikettierung aus Frankreichs Supermarkt-Regalen genommen wurden, dürfen dort an Bedürftige verteilt werden, sagte nun Verbraucherminister Benoit Hamon. Voraussetzung: Diejenigen, die die Lebensmittel erhalten, müssten korrekt über die Inhaltsstoffe informiert werden.