Mit einem Schnitzel oder Steak hat Tofu rein äußerlich zwar nichts gemeinsam - das bei Vegetariern und Veganern beliebte Nahrungsmittel aus Sojabohnenteig enthält aber ebenfalls viel Eiweiß. - © fotolia
Mit einem Schnitzel oder Steak hat Tofu rein äußerlich zwar nichts gemeinsam - das bei Vegetariern und Veganern beliebte Nahrungsmittel aus Sojabohnenteig enthält aber ebenfalls viel Eiweiß. - © fotolia

Salzburg. Wörter - und Produkte - wie Speck, Käse oder Wurst dürfen auch Veganer in den Mund nehmen. Das war auf der Veggie Planet, Österreichs einziger Messe für vegane Ernährung in Salzburg, nicht zu übersehen. Veganer, also Menschen, die sich ausschließlich auf pflanzlicher Basis ernähren, müssen nicht auf den Genuss von weitverbreiteten Speisen wie Käse oder Wurst verzichten. Davon konnten sich Veganer und Nicht-Veganer am Wochenende in Salzburg überzeugen, am 20. und 21. April ist die Veggie Planet in der Messe Graz zu Gast, bald soll die Messe auch in Wien stattfinden.

Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Veganer. "Das Thema wird für immer mehr Menschen interessant", ist Felix Hnat überzeugt. Er ist Obmann und Geschäftsführer der Veganen Gesellschaft Österreich (VGÖ), dem Veranstalter der Veggie Planet. Ausschließlich vegane Ernährung ist noch ein absolutes Minderheitenprogramm. In Österreich dürften rund 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung vegan leben, in Wien schätzt Hnat ihren Anteil auf 0,7 Prozent. Der Anteil von Vegetariern, die lediglich auf Fleisch verzichten, dürfte bei fünf Prozent liegen. Verlässliche Statistiken gibt es nicht.

Dass vegane Lebensweise boomt, gilt aber als unbestritten. Die VGÖ freut sich über einen Mitgliederzuwachs von 30 Prozent jährlich. Auch die Messe Veggie Planet ist aus dem Kongresshaus in eine größere Halle im Messezentrum übersiedelt. Gegenüber den etwa 3000 Besuchern bei der ersten Ausgabe im vergangenen Jahr habe es eine "deutliche Steigerung" gegeben, berichtet Hnat.

Die Besucher konnten auch eher ausgefallene Produkte wie veganes Speiseeis oder veganes Kebab probieren. Besonders stolz ist Hnat auf die Salzburger Nockerl, einer eigentlich auf Eibasis hergestellten Spezialität, die im Rahmen einer Kochshow bei der Messe ohne Ei zubereitet wurde.

Hnat charakterisiert die klassische Veganerin als "urban, weiblich und gebildet". Das Thema interessiert aber Menschen aus der gesamten Bevölkerung. So besuchte auch ein Baupolier aus dem angrenzenden Oberösterreich mit seiner Frau, einer Familienhelferin, die Veggie Planet. Seit sechs Jahren ernährt sich das Paar vegetarisch, nun überlegen sie, auf vegane Ernährung umzustellen. Die Hauptmotivation sind der Schutz der Tiere und die eigene Gesundheit.

Wirtschaft entdeckt


den neuen Trend


Obwohl ihn der Pferdefleisch-Skandal nicht direkt betroffen hat, hat er ihn doch berührt, sagt der Baupolier: "Weil man gesehen hat, dass der Mensch extrem ist. Er hat keinen Respekt vor nichts. Ich finde es schlimm, dass die Gewinnsucht so groß ist." Statt Leberkäse gibt es für ihn auf der Baustelle Aufstriche von zuhause zur Jause. Das Paar versorgt sich über Internetversand und Eigenanbau mit Lebensmitteln, Supermärkte werden nur mehr selten frequentiert. "Dort spricht mich kaum noch etwas an", sagt der Baupolier. Hnat betont allerdings, dass auch die Wirtschaft diesen Trend immer stärker entdecken würde. Vergangenes Jahr hätten die Einkäufer der Lebensmittelkonzerne Rewe und Spar die Messe besucht. Spar gibt inzwischen eine eigene vegetarische Eigenmarke heraus.