Der Zivilprozess zweier Missbrauchsopfer gegen das oberösterreichische Stift Kremsmünster ist am Dienstag zu Ende gegangen. - © APAweb/RUBRA
Der Zivilprozess zweier Missbrauchsopfer gegen das oberösterreichische Stift Kremsmünster ist am Dienstag zu Ende gegangen. - © APAweb/RUBRA

Steyr/Kremsmünster. Der Zivilprozess zweier Missbrauchsopfer gegen das oberösterreichische Stift Kremsmünster ist am Dienstag zu Ende gegangen. Das Urteil ergeht schriftlich in einigen Wochen. Die beiden ehemaligen Klosterschüler haben Klage eingebracht, weil Abt Ambros Ebhart ihnen - wie sie behaupten - Zusagen gemacht, aber nicht eingehalten haben soll. U.a. geht es um ein Eingeständnis, dass das Kloster von den Missbrauchsfällen gewusst habe und trotzdem untätig geblieben sei.

  Im Zentrum steht ein Treffen im Jänner 2012 im Stift, an dem Missbrauchsopfer, der Abt, der Prior sowie zwei vom Kloster bestellte Mediatoren teilnahmen. Die Kläger sagen, der Abt habe ihnen dabei die Aufarbeitung durch externe Historiker, ein Mahnmal am Stiftsgelände und eine Entschuldigung samt Eingeständnis der Mitwisserschaft über die Missbrauchsfälle versprochen. Der Geistliche will hingegen nur zugesagt haben, darüber nachzudenken.

  Am Dienstag waren die Mediatoren geladen. Sie wollten zum Inhalt der Gespräche nichts sagen. Einer der Vermittler berichtete, er habe zwar im Vorfeld gewusst um was es geht, sei aber vom Ausmaß der Sache dann doch überrascht gewesen. Beide machten klar, dass sie eine Fortsetzung der Mediation nach der ersten Runde für sinnvoll gehalten hätten. Laut Missbrauchsopfern sei ein geplanter Folgetermin aber nicht zustande gekommen, weil das Kloster dazu Außenstehende habe einladen wollen, was den ehemaligen Klosterschülern wiederum nicht recht gewesen sei.

  In dem Zivilprozess geht es um 30.000 Euro. Die Kläger betonen aber, kein Geld zu wollen, sondern die Umsetzung der strittigen Punkte. Zentral ist dabei die Frage der Mitwisserschaft durch das Stift. Der Abt hatte diese stets bestritten, der Vertreter der Missbrauchsopfer legte allerdings einen Auszug aus dem Strafakt vor, in dem jener Ex-Pater, der kurz vor einer Anklage stehen dürfte, aussagte, er sei 1996 auf Anordnung der Stiftsoberen und auf eigenen Wunsch wegen "Vorfällen" als Konviktsleiter abgezogen worden.

  Im Stift Kremsmünster ist es zumindest seit den 1950er-Jahren immer wieder zu Missbrauchsfällen gekommen. Einige Beschuldigte sind bereits verstorben, gegen andere wurden die Verfahren wegen Verjährung eingestellt. Übrig ist noch jenes gegen einen heute 79-Jährigen, der mittlerweile aus dem Kloster ausgetreten ist. Er dürfte im Laufe des Jahres angeklagt werden, eine offizielle Bestätigung der Staatsanwaltschaft gibt es aber nicht. Ehemalige Schüler sprechen von einem "System Kremsmünster", in dem Gewalt und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung gewesen seien. Das Stift will hingegen nur von zwei Fällen aus den Jahren 1970 und 2005 Kenntnis gehabt haben.