Dem Osterfest laufen die Hasen davon: Sie finden keine Versteckmöglichkeiten in Feldrainen mehr. - © Hans Glader
Dem Osterfest laufen die Hasen davon: Sie finden keine Versteckmöglichkeiten in Feldrainen mehr. - © Hans Glader

Wien. Freilich, der Osterhase ist eine Symbolfigur, die es genauso wie das Christkind und den Nikolaus ohnehin nicht gibt. Und doch nimmt er eine Sonderstellung ein - weil Hasen real und deren Jungen gerade zur Osterzeit unterwegs sind. Doch was, wenn Kinder selbst Feldhasen nur noch aus Erzählungen und Büchern kennen? Und Ostern ohne echte Hasen gefeiert werden muss?

Die Befürchtung liegt nahe, geht doch der Feldhasen-Bestand massiv zurück. "Bereits seit den 1960er Jahren nimmt er in vielen Teilen Europas stark ab", sagt Christine Pühringer vom Naturschutzbund Österreich. Obwohl Feldhasen schwer zu zählen sind, untermauern die Zahlen der geschossenen Tiere ("Jagdstrecke") und die der im Verkehr getöteten Hasen ("Fallwild") den Rückgang: In der Saison 2011/12 wurden laut Statistik Austria rund 121.000 Feldhasen geschossen - 2008/09 waren es noch 205.000. Im Straßenverkehr starben 2011/12 insgesamt 25.000 Hasen, 41.000 waren es 2008/09.

Tod durch Erntemaschinen


Der Grund für den Rückgang: Obwohl sich Hasen sogar sprichwörtlich gut vermehren - das Weibchen bringt mehrmals im Jahr bis zu 15 Junge zur Welt -, leiden sie laut Pühringer unter dem zunehmenden Verkehr und der intensiven Landwirtschaft. Sie sterben unter Mäh- und Erntemaschinen. Auch das Verschwinden von Kleinstrukturen trägt einen wesentlichen Teil dazu bei. Konkret sind es Wiesen mit Hecken und Feldraine, die Hasen Möglichkeiten zum Verstecken und zur Aufzucht ihrer Jungen in Mulden bieten. Sie fallen dem verstärkten Getreideanbau auf immer größeren Feldern zum Opfer.

"Den Hasen gehen dadurch nicht nur Lebensräume, sondern auch Nahrungsmittel verloren", sagt Pühringer. Denn: Intensiv bewirtschaftete Flächen reduzieren die Pflanzen-Artenvielfalt, weil durch eine mehrmalige Mahd im Jahr weniger Früchte und Samen ausgebildet werden. Hasen brauchen jedoch grüne Pflanzenteile, Knollen und Wurzeln, um nicht zu verhungern.

Zum Schutz der Feldhasen müssten laut Pühringer agrarpolitische Maßnahmen getroffen werden. Brachland sowie extensiv bewirtschaftete Flächen sollten geschaffen werden. Der Naturschutzbund spricht damit vor allem die EU-Agrarziele bis 2020 an, auf die sich Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich und seine Amtskollegen in der Vorwoche geeinigt haben. Bis Juni soll die Agrarreform durch sein. Die Kritik ist auf den ersten Blick verwunderlich: Der Naturschutzbund stößt sich an dem Ziel, dass fünf Prozent der Ackerflächen "ökologische Vorrangflächen" sein und stärker der Natur überlassen bleiben sollen - allerdings nicht ganz. Diese Flächen können auch ökologisch nachhaltig bewirtschaftet werden. "Das heißt, dass zum Beispiel auch Raps angebaut werden kann", so Pühringer - wodurch sich eigentlich gar nichts ändern werde.

Schutzprogramm ÖPUL


Das Landwirtschaftsministerium bestätigt auf Nachfrage, dass auf den "ökologischen Vorrangflächen" Eiweißprodukte angebaut werden. Allerdings werde auf Österreich-Ebene etwas für den Schutz des Feldhasen und seines Lebensraumes getan: Das österreichische Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) gelte diesbezügliche Leistungen der Bauern ab. Ziel sei, dass Landschaftselemente wie Feldraine, Hecken und Baumreihen "so weit wie möglich erhalten bleiben, um den Hasenbestand zu sichern".