Wien. Bei der Fortsetzung des Telekom-Prozesses rund um eine Kursmanipulation im Jahr 2004 gab sich der angeklagte Broker Johann Wanovits am Freitag geknickt. In seinem Eröffnungsstatement am Wiener Straflandesgericht meinte er mit tränenunterdrückter Stimme, er habe ein richtiges Geschäft gemacht, aber den falschen Leuten vertraut und sicherlich auch selbst Fehler gemacht.

Genützt hat es ihm nichts: Staatsanwalt Hannes Wandl weitete die Anklage aus und wirft Wanovits nun auch vor, seinen Arbeitgeber Euro Invest betrogen zu haben. Konkret wirft er dem Broker vor, jene rund 500.000 Euro, die er im Papiersackerl erhalten hatte, nicht seinem Arbeitgeber zugeführt zu haben.

Daraufhin kam es zu einer Sitzungsunterbrechung, damit sich Wanovits mit seiner Rechtsvertretung beraten kann. Als nach den vereinbarten zehn Minuten Unterbrechung weder Wanovits noch seine Verteidigung im Verhandlungssaal erschienen, kam kurz Unruhe im Saal auf. Mit etwas Verspätung konnte dann die Verhandlung weitergeführt werden, wobei Wanovits einen neuen Zeugen einforderte. Ein Urteilsspruch wird sich daher aller Wahrscheinlichkeit am Freitag nicht mehr ausgehen.

Wanovits wird beschuldigt, für ein Schmiergeld von rund einer Million Euro den Kurs der Telekom Austria-Aktie nach oben getrieben zu haben, um knapp 100 Managern ein Bonusprogramm von zehn Millionen Euro zukommen zu lassen. Im Zuge dessen wurden Hunderttausende Euro im Papiersackerl am Wiener Naschmarkt an ihn übergeben.

Seine Firma Euro Invest sei durch die Causa massiv geschädigt worden, sagte der Broker. "Die Firma kämpft am Limit, Kunde ist ein Fremdwort geworden." Er bekannte sich aber weiterhin "nicht schuldig im Sinne der Anklage".

In der Folge tat sich Wanovits schwer zu erklären, warum er überhaupt ein Geschäft mit der Telekom Austria gemacht hatte. Er bestand darauf, dass sein Aktienkauf ein Eigengeschäft war, obwohl er früher auch von Kundengeschäften sprach. Auf Nachfragen von Richter Michael Tolstiuk gab sich Wanovits wenig sattelfest.

Dafür gab der Broker einen Einblick in seine Zunft. "Es will niemand mehr mit uns in Kontakt treten. Unsere Branche ist extrem scheinheilig - don`t touch", meinte er zu den Folgen seines Aktienkaufs, der seit Jahren massiv die Medien beschäftigt.

Wanovits betonte einmal mehr, dass er nichts davon wusste, dass seine Theorie eines feindlichen Angriffes auf die Telekom-Aktie auf falschen Infos beruhe. Er hielt fest, dass er die im Aktiengeschäft üblichen Infoschirme nicht benutzte und auch nur sehr wenig Zeitung gelesen habe.

Bereits verurteilt - nicht rechtskräftig - wurden die Telekom-Manager Rudolf Fischer (drei Jahre Haft), Stefano Colombo (dreieinhalb Jahre) und Josef Trimmel (drei Jahre, davon zwei bedingt). Sie haben Rechtsmittel erhoben. Generaldirektor Heinz Sundt wurde freigesprochen, das Urteil ist bereits rechtskräftig. Gegen den Lobbyisten Peter Hochegger, über den die Zahlungen teilweise gelaufen sein sollen, wird noch gesondert verhandelt.