Das Haus neben dem Loch musste evakuiert werden. Wenn der große Regen ausbleibt, wird es auch das einzige bleiben. Doch einige Wege und Straßen, ein paar Hänge und Wiesen müssen saniert und stabilisiert werden. Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich war bereits in Neuhaus und hat 50.000 Euro als Sofortmaßnahme zugesichert, auch Landeshauptmann Hans Niessl hat finanzielle Hilfe versprochen, dazu wird der Katastrophenfonds des Bundes bemüht, an dem sich jedoch auch die Gemeinde beteiligen muss. "Wir haben momentan keine Mittel für eine solche Spritze", erzählt Sampt.

Das Budget der gesamten Gemeinde beträgt 1,9 Millionen Euro, was eigentlich gar nicht so wenig ist für eine Ortschaft mit nicht einmal 1000 Einwohnern. Doch die leben eben weit verstreut. "Wir haben 45 Kilometer Güterwege und Abwasserrohre, haben Volksschule und Mittelschule, und diese enorme Infrastruktur ist mit hohem finanziellen Aufwand verbunden."

Eine Gemeinde wie Neuhaus, die seit den 60er Jahren um fast 40 Prozent geschrumpft ist, muss seinen Einwohnern etwas bieten, und zwar nicht nur Ruhe. Denn davon gibt es gerade tagsüber schon fast zu viel. Trotz Frühlingswetter regt sich auf den Straßen so gut wie gar nichts. "Der Großteil pendelt aus", sagt Bürgermeister Sampt. Die einzige Greißlerei im Ort hat auch schon zugesperrt.

Klimawandel im Verdacht


Dass jetzt auch noch die Hänge ins Rutschen kommen, ist für Neuhaus daher nicht nur ein akutes Problem, sondern könnte das chronische noch verstärken: den Einwohnerschwund, dem die Gemeinde unter anderem mit Grundstückspreisen ab fünf Euro pro Quadratmeter begegnet. Diejenigen, die sich hier eingerichtet haben, werden nicht mehr wegziehen. Hangrutschungen hätte es immer gegeben, sagt Herr Schwarzl. Vor einigen Jahren sei auch sein Haus gefährdet gewesen, nun hat sich anderswo auf seinem Grundstück die Wiese bewegt. Er deutet auf seine Innentasche, in der ein Schreiben an den Bürgermeister steckt. "Man muss die Schäden feststellen", sagt er.

Dass sich die Erde in diesem Jahr so stark bewegt, erklären die Neuhausner in erster Linie mit dem Klimawandel. Und ganz absurd ist diese Vermutung nicht: Denn es gibt durchaus wissenschaftliche Indizien dafür, dass der schneereiche Winter in Mitteleuropa mit dem starken Abschmelzen des arktischen Eises im Vorsommer zusammenhängt.

Doch es gibt auch andere Faktoren, die nicht nur mit dem Klimawandel, sondern dem Wandel der Gemeinde selbst zusammenhängen. So ist aus der klein strukturierten Landwirtschaft eine mit nur zwei, drei Großbetrieben geworden, und der Obstanbau, für den die Region bekannt ist, geht zurück. "Die Preise sind auf dem Boden", sagt Sampt. Der Preisdruck wirkt sich wiederum auf den Ackerbau aus: Für größere Flächen wurde gerodet und die Felder reichen heute bis zum Straßengraben. "Es gibt keinen Rain mehr", sagt der Bürgermeister. Wo früher noch ein Streifen Wiese war, wird heute angebaut, Hecken gibt es auch kaum mehr.

"Bäume könnten schon helfen, Rutschungen zu verhindern", sagt Geologin Tschach. Der Nussbaum des Herrn Spitzer hat noch nicht tief genug gewurzelt, er war ein leichtes Opfer. Ein anderer Bewohner sagt: "Schuld ist am Ende immer der Mensch."