Für einen nicht enden wollenden Schlagabtausch sorgt dieses Thema der Drogenkriminalität. Können doch die Experten absolut nicht nachvollziehen, warum es laut Mikl-Leitner zu stärkeren Schwarzmarktaktivitäten gekommen sein soll. "Lediglich 0,14 bis 0,15 Prozent der abgegebenen Substitutionsmittel werden auf dem Schwarzmarkt aufgegriffen. Die pro Aufgriff sichergestellte Menge Heroin ist 100 Mal größer", betonte Dressel. Die Möglichkeit, retardierte Morphine zu verschreiben, erspare vielmehr die Einrichtung von Heroin-Konsumräumen wie es sie in anderen Staaten gibt - dort werde das "dreckige Straßenheroin" gespritzt.

Ärzte für Therapiefreiheit

Der Anteil von 0,14 bis 0,15 Prozent ist allerdings für den Direktor des Bundeskriminalamtes, Franz Lang, nicht nachvollziehbar. Angesichts der 2500 bis 3300 festgestellten diesbezüglichen Delikte jährlich dürfe man nicht die Augen verschließen.

Dass man etwas gegen den Missbrauch von Substitutionsmitteln unternehmen muss, glaubt zwar auch Dressel - seiner Meinung nach braucht es aber die richtige Strategie: Innenministerium und Gesundheitsbehörde sollten dahingehend kooperieren, dass Letztere nach einem Aufgriff auf dem Schwarzmarkt informiert wird, um den Betroffenen eventuell ins Substitutionsprogramm aufnehmen zu können.

Welche Therapie mit welchen Medikamenten schließlich angewandt wird, soll jedenfalls der Ärzteschaft überlassen bleiben, so Jachimowicz von der ÖÄK. Eine Ansicht, die auch SPÖ-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser vertritt. Die Auswahl des geeigneten Behandlungsmittels müsse "der Arzt als Experte treffen und nicht die Politik", betonte sie in Richtung Mikl-Leitner. Die Sucht- und Drogenpolitik sei gut und breit aufgestellt.

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Zwischen 30.000 und 34.000 Menschen in Österreich sind opiatabhängig.

Mehr als die Hälfte unterzieht sich einer Substitutionstherapie. Rund 55 Prozent sind auf retardierte Morphine eingestellt.

Dauerhafte Abstinenz wird bei fünf Prozent der Patienten erreicht. 10 bis 20 Prozent brechen die Therapie ab.

Die Ausgaben der Krankenkassen für Ersatzdrogen sind von 8,9 Millionen Euro 2003 auf 26 Millionen 2011 gestiegen.

2002 waren 1030 Menschen über 40 in Wien in Substitutionsbehandlung, 2012 insgesamt 2870 Personen. Die Zahl jugendlicher Patienten sank in Wien von 190 im Jahr 2002 auf neun 2012.