Wien. Hängende Lider statt strahlender Augen. Atemprobleme statt Hollywood-tauglicher Näschen. Vernarbte statt gestraffter Pfirsichhaut. Die Liste der Pannen bei Schönheitsoperationen ist lang. Und Doku-Soaps mit Lugners und Co. lassen - zu Recht - vermuten, dass ein Markt mit immens viel Geld dahintersteckt.

Zwar führte die US-Schauspielerin Angelina Jolie Anfang dieser Woche vor, dass Implantate statt der eigenen Brüste auch als vorbeugende Maßnahme gegen Krebs eingesetzt werden können. Das Image der ästhetischen Medizin ist hierzulande aber schlecht, wie eine aktuelle Studie des Gallup-Instituts ergeben hat. Nur 41 Prozent der Österreicher vertrauen demnach den Schönheitschirurgen - Ärzten allgemein indes fast 80 Prozent. Und: Etwa die Hälfte weiß über ästhetische Behandlungen nur über öffentliche Inszenierungen im Fernsehen Bescheid. Ein Drittel glaubt: "Was man über Schönheitschirurgie liest, ist von Sensationslust geprägt." Nur zehn Prozent fühlen sich ausreichend informiert.

Um den Informationsstand und vor allem das Image der ästhetischen Medizin zu verbessern, haben sich Ärzte unterschiedlicher Fachgesellschaften wie Dermatologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zum Dachverband Afias (Österreichischer Verband für interdisziplinäre ästhetische Chirurgie) zusammengeschlossen. "Das Wichtigste dabei ist uns: Den Schönheitschirurgen an sich gibt es gar nicht, dafür existiert kein eigenes Fach in der Medizinerausbildung", sagte Afias-Präsidentin und Dermatologin Sanja Schuller-Petrovic bei der Studienpräsentation am Donnerstag. Dieses Bild des dubiosen Schönheitschirurgen, das offenbar in der Gesellschaft vorherrsche, würden viele mit Pfusch und Geldgier verbinden.

Auch schöne Nasen


sind zum Atmen da


"In Wahrheit sind es aber Fachärzte, die Spezialisten in ihrem Bereich sind und spezielle Module zur ästhetischen Chirurgie absolviert haben", so Schuller-Petrovic. "Nur sie können immer auch die Funktion des Organs berücksichtigen - denn was würde eine schöne Nase nützen, mit der man nicht atmen kann?" Seit 1. Jänner dieses Jahres ist per Gesetz genau festgelegt, wer entsprechende Ausbildungsmodule vorweisen kann und daher Schönheitsoperationen vornehmen darf. Auch Schönheitsoperationen bei unter 16-Jährigen sind seitdem verboten - laut Umfrage wissen nur zehn Prozent der Bevölkerung über dieses neue Gesetz zur Regelung ästhetischer Operationen Bescheid.

Ziel ist laut Schuller-Petrovic, mithilfe des Dachverbands die Qualität der Ausbildung weiter zu verbessern. "Wir planen eine interdisziplinäre Plattform, auf der sich Spezialisten untereinander austauschen können. Für schwerwiegende Fragen soll es spezielle Kurse geben, um die Kollegen zu informieren." Fakt sei, dass die Schönheitschirurgie zunehmend an Bedeutung gewinne und ihr Orchideendasein schon längst abgelegt habe. Immerhin hat bereits jede fünfte Frau - allerdings nur jeder hundertste Mann - schon einmal daran gedacht, einen ästhetischen Eingriff durchführen zu lassen, wie die Studie ebenfalls ergeben hat. Etwa, weil es "an meinem Körper etwas gibt, was mich stört" (19 Prozent), oder, "um mehr Selbstvertrauen zu bekommen" (11 Prozent).

Wer extrem unter dem Aussehen oder der Größe eines Körperteils leidet und das auch in einem psychiatrischen Gutachten vorweisen kann, dem wird die Operation mitunter von der Krankenkasse bezahlt. Denn daran, dass diese vielen schlichtweg zu teuer sind, ändern auch Gesetze und Verbände nichts: Fettabsaugen etwa kostet zwischen 1500 und 6000 Euro, eine Nasenkorrektur bis zu 4000 und eine Brustvergrößerung rund 6000 Euro.