Wien. Mit Bangen erwartet Ungarn zum Wochenende die Scheitelwelle der Donauflut - mit Rekordpegelständen von neun Metern bei Györ und 8,85 Meter in Budapest. Von der Grenze bis zur Hauptstadt - in der einige Uferstraßen schon überflutet sind - werden mit Hilfe der Armee auf einer Länge von mehr als 190 Kilometern die Uferbefestigungen verstärkt. In Esztergom und Pest gab es erste Evakuierungen.

Besonders große Sorge bereitet eine Rotschlammdeponie in Almasfüzitö östlich von Komarom, die unmittelbar neben der Donau liegt. Laut Gutachten, die 2011 im Auftrag von Greenpeace erstellt wurden, befindet sich in dem Auffangbecken illegal gefährlicher organischer und anorganischer Giftmüll. Die Umweltorganisation hatte die Expertisen nach der Umweltkatastrophe von Kolontar im Oktober 2010 erstellen lassen. Dort waren nach einem Dammbruch 12 Millionen Tonnen Rotschlamm ausgeflossen, die "Rote Flut" forderte zehn Todesopfer und machte mehrere Dörfer unbewohnbar. "Sollte die Deponie bei Almasfüzitö wie bereits 2002 vom Donauhochwasser umflutet werden, könnte der Randwall brechen", so Greenpeace. Der Bürgermeister des Ortes wies die "Angstmacherei" zurück: Der Damm des Beckens werde standhalten, seine Krone liege fünf Meter über dem erwarteten Höchstpegel der Donau.

Auch in Österreich schlug Greenpeace am Donnerstag Alarm: Weite Teile des Öllagers in der Wiener Lobau stünden unter Wasser. "Ein ölartiger Film, größer als ein Fußballfeld, hat sich auf dem Wasser gebildet, mehr als zehn Öltanks sind völlig von Wasser umgeben". Die OMV erklärte, in ihrem Teil des Lagers - es liegt am Rande des Nationalparks Donau-Auen - seien keine Tanks überschwemmt, sie würden laufend kontrolliert.