Aktion aus den Anfängen: M it einer Abwasserrohr-Blockade beim Zellstoffwerk im niederösterreichischen Kematen forderte Greenpeace 1986 den Ausstieg aus der Chlor-Zellstoffbleiche. Erfolgreich: Heute gehören schwarze Flüsse der Vergangenheit an. Greenpeace
Aktion aus den Anfängen: M it einer Abwasserrohr-Blockade beim Zellstoffwerk im niederösterreichischen Kematen forderte Greenpeace 1986 den Ausstieg aus der Chlor-Zellstoffbleiche. Erfolgreich: Heute gehören schwarze Flüsse der Vergangenheit an. Greenpeace

Wien. "Bei Aktionen gibt es keine Basisdemokratie", erklärt Alexander Egit, Geschäftsführer von Greenpeace Österreich. Bis kurz vor dem Einsatz - eine Botschaft besetzen (1995), die Tauernautobahn blockieren (2006) oder den Eingang einer Bank zumauern (2008) - können die Aktivisten noch einen Rückzieher machen. Ist man erst bei einem Einsatz - an die zwanzig pro Jahr -, geht alles streng nach Vorschrift: Immer in die Augen des Gegenübers (meistens der uniformierten Staatsgewalt) blicken, einen freundlichen Gesichtsausdruck bewahren, keine Sonnenbrillen, keine Kaugummis, keine Zigaretten.

Alle haben ein "Non-Violent-Direct-Action"-Training hinter sich und sind über sämtliche körperlichen und juristischen Folgen der verschiedenen Aktionen informiert. Wenn Greenpeace in Österreich Aktionen macht, geht es nach 30 Jahren, in denen die internationale Organisation auch ein offizielles Wien-Büro hat, schon gemütlicher zu. Da kann es schon passieren, dass Polizisten, die die Aktivisten "wegräumen", sich entschuldigen, ihnen zuraunen, dass sie selbst Mitglied bei Greenpeace sind, ihnen der Schutz der Meere am Herzen liegt und dass sie der Ausbau des AKW Mochovce (weshalb der Eingang der Erste Bank zugemauert wurde) ebenfalls beunruhigt. In anderen Länder, in die auch das österreichische Team immer wieder fährt - zur Unterstützung, und um aufzuzeigen, dass es ein globales Anliegen ist (etwa der Schutz der Arktis) -, kann es dagegen zu Verhaftungen kommen.

Bei der Rotschlamm-Katastrophe durch den Dammbruch einer Aluminiumfabrik war Greenpeace als Erster vor Ort. - © Greenpeace/Holzfeind
Bei der Rotschlamm-Katastrophe durch den Dammbruch einer Aluminiumfabrik war Greenpeace als Erster vor Ort. - © Greenpeace/Holzfeind

Dass Greenpeace ein solches Standing in Österreich hat, liegt an der langen Geschichte. Vor 30 Jahren wurde der offizielle Ableger der internationalen Umweltschutzorganisation gegründet. Eigentlich hätte die Pressekonferenz zur Feier des Anlasses schon vergangene Woche stattfinden sollen. Aber da hat das Wiener Team, das regional auch Osteuropa betreut, andere Sorgen gehabt.

Durch das Hochwasser waren die Sorgen groß, dass es in Ungarn wieder zu einem Dammbruch kommt. Und dass sich damit die Katastrophe des giftigen Rotschlamms vom Oktober 2010 wiederholt. Damals waren übrigens die Menschen von Greenpeace CEE als Erste vor Ort um Proben zu ziehen, diese analysieren zu lassen, und zu informieren.

Da hieß es auch vergangene Woche in Wien wieder: Schutzanzüge einpacken, Gummistiefel sowie Probeentnahmesets und Material, um - im Falle des Falles - Transparente aufzuziehen. Denn die Katastrophe muss nicht nur dokumentiert werden, sondern es sollte auch gleich klar werden, wer dafür verantwortlich ist. Das klingt nach Kleingeld, ist es aber nicht: "Katastrophen sind oft eine Profilierungsmöglichkeit für Politiker", erinnert Alexander Egit, der auch die Filialen in CEE aufgebaut hat. "Da heißt es dann oft, auch in Österreich - ‚jetzt ist nicht die Zeit für Vorwürfe‘ und ‚nur nicht streiten‘." Dabei käme weder die Hochwassersituation noch der etwaige wiederholte Dammbruch von ungefähr: Deponien, die zu nah am Fluss gebaut wurden, Bürgermeister, die in roten Zonen bauen lassen, die fehlende Naturierung der Flüsse und nicht zuletzt das Klimaschutzversagen der Nationen.