Steyr/Kremsmünster. Im Landesgericht Steyr in Oberösterreich hat am Montag der Missbrauchs-Prozess gegen den ehemaligen Konviktsdirektor des Stiftes Kremsmünster begonnen. Dem mittlerweile in den Laienstand zurückversetzten 79-Jährigen werden sexuelle und gewalttätige Übergriffe auf insgesamt 24 ehemalige Schüler vorgeworfen. Laut seinem Verteidiger, für den sich in dem Prozess alles um die Frage der Verjährung dreht, will er sich großteils geständig verantworten und bei den Opfern entschuldigen.

Der Angeklagte kam erst knapp vor Prozessbeginn mit dem Lift zum Verhandlungssaal. Gegenüber den zahlreichen wartenden Journalisten wollte er nichts sagen. Der weißhaarige Mann im dunklen Anzug, der gebeugt und am Stock zu seinem Platz ging, versteckte sein Gesicht nicht. Er ließ das Blitzlichtgewitter mit stoischer Ruhe über sich ergehen. Auf Fragen des Richters nach seinen Personalien antwortete er ruhig und mit sicherer Stimme.

Übergriffe von 1973 bis 1993

Vom Bekanntwerden der Kremsmünsterer Missbrauchsaffäre in den Medien bis zur Anklage dauerte es mehr als drei Jahre. Ursprünglich gab es Ermittlungen in 39 Fällen. Einige Verfahren wurden eingestellt, weil die Vorfälle verjährt oder die Beweise zu dünn waren. Übrig blieben 24 Opfer und ein mutmaßlicher Täter. Er soll laut Anklage von September 1973 bis Juni 1993 an 15 Zöglingen "sexuelle Handlungen unterschiedlicher Intensität" vorgenommen haben, bei weiteren neun legt ihm die Staatsanwaltschaft "nur" gewalttätige Übergriffe zur Last. Die Öffentlichkeit dürfte bei dem Prozess über weite Strecken ausgeschlossen werden. Voraussichtlich wird der Schöffensenat am Donnerstag ein Urteil fällen.

Das Stift Kremsmünster hat seit Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen Ordensangehörige mehr als 700.000 Euro an Opfer gezahlt. 38 Betroffene haben sich bei der Klasnic-Kommission gemeldet. Zuletzt beauftragte das Kloster das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung. Anlässlich des Prozesses startete das Institut einen Aufruf an Betroffene, sich zu melden (http://ipp-muenchen.de/kremsmuenster), auch wenn sie dies bereits vorher beim Kloster, der Klasnic-Kommission, der Ombudsstelle der Diözese oder der Staatsanwaltschaft getan haben. Denn ein Abgleich der dort eingegangenen Meldungen sei aus datenschutzrechtlichen Gründen nur eingeschränkt möglich. Alle Angaben werden vertraulich behandelt und nach Abschluss der Untersuchung gelöscht, so das IPP.