Wien. Es war nur eine kurze Pause, die die derzeit über Österreich hängende Hitze am Sonntag eingelegt hat. Regen in nahezu allen Bundesländern und Sturmböen bis 140 km/h sorgten leider nicht nur für temporäre Abkühlung, sondern auch für einige Schäden, sogar ein Todesopfer war zu beklagen. Nachhaltige Wirkung hat das windige Intermezzo allerdings nicht, die nächste Hitzewelle ist im Anmarsch und wird - so die Prognose - bis mindestens Freitag anhalten.

Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturm haben am Sonntagabend in mehreren Bundesländern für zahlreiche Feuerwehr-Einsätze gesorgt. Hausdächer  wurden vom Sturm fortgerissen, Keller überflutet und Bäume entwurzelt. Auch kleinere Murenabgänge mussten beseitigt werden. Besonders betroffen waren Niederösterreich, Salzburg, die Steiermark und Tirol.

Niederösterreich: Gewitter mit Starkregen
In Niederösterreich war en Waidhofen a.d. Thaya, der Bezirk Zwettl sowie Melk und Tulln besonders stark betroffen.

In Waidhofen a.d. Thaya trafen laut Feuerwehr zwei Gewitterzellen zusammen. Das Gewitter war so heftig, dass Verkehrswege und Infrastruktureinrichtungen lahmgelegt wurden. 26 Feuerwehren des Bezirkes standen mit 270 Mann im Unwettereinsatz.

Im Raum Thaya wurden Dächer abgedeckt, Fenster durch Hagelschlag zerstört und Bäume umgerissen. In Großgerharts zerstörte der Sturm eine Scheune. Auch im Raum Dobersberg mussten einige Feuerwehren ausrücken. Bei der Talstation am Skilift in der Gemeinde fiel ein Baum in eine Hochspannungsleitung und begann zu brennen. Die 20kV-Leitung wurde von der EVN abgeschaltet, der Brand von der Feuerwehr gelöscht. Teile von Dobersberg und Riegers waren etwa eine halbe Stunden ohne Strom.

Im Süden des Bundeslandes gab es ebenfalls Hagel. Laut Bezirksfeuerwehrkommando Neunkirchen wurde vor allem der Abschnitt Gloggnitz getroffen. Neun Feuerwehren mit 150 Mann standen im Einsatz. Sie mussten Keller auspumpen, kleinere Murenabgänge beseitigen, Fahrbahnen reinigen und Sturmschäden sowie Verklausungen beseitigen.

Ein Toter in der Steiermark
Eine Unwetterfront hat am Sonntagabend im Bezirk Liezen in der Steiermark große Schäden verursacht. Nach einem kurzen, orkanartigen Sturm mussten rund 40 Feuerwehren ausrücken. Vorwiegend galt es für die Einsatzkräfte, entwurzelte oder abgebrochene Bäume von Straßen, Häusern und auch Autos zu entfernen.

Im Ennstal traten Bäche über die Ufer, nachdem binnen Minuten enorme Niederschlagsmengen fielen. In Gröbming Winkl ging eine kleinräumige Mure ab. In mehreren Orten wurden Dachteile oder auch ganze Hausdächer abgedeckt, wie etwa in Tunzendorf, wo die Feuerwehr mit Planen provisorisch das Dach eines Zweifamilienwohnhauses mithilfe eines Kranes abdichten musste. Die gesamte Dachhaut landete rund 15 Meter hinter dem Haus in der Wiese. Auch der Kamin wurde komplett "abgetragen", vermeldete der Bereichsfeuerwehrverband Liezen.

In vielen Teilen des Ennstales gab es Stromausfälle, da umstürzende Bäume Stromleitungen kappten. Zwischen Öblarn und Stein an der Enns mussten die Passagiere eines Zuges mit dem Bus weitertransportiert werden, nachdem der Triebwagen einen auf die Geleise gestürzten Baum rammte. Nachdem auch das Tragseil der Oberleitung beschädigt wurde, war die Bahnstrecke lahmgelegt. In Mitterberg mussten die Einsatzkräfte einen Waldbrand löschen.

Ein 51-jähriger Jäger ist in der Obersteiermark in einer Hütte von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Seine Lebensgefährtin konnte sich selbst befreien und kam mit Verletzungen davon, teilte die Landespolizeidirektion Steiermark am Montag mit.

Schwere Unwetter im Tiroler Unterland
Orkanartige Windböen haben am Sonntagabend in Teilen Tirols Schäden angerichtet. Betroffen war vor allem das Unterland, wo die Dächer gleich mehrerer Häuser abgedeckt wurden. Bis zu 4.500 Haushalte waren nach Angaben der "Tiwag Netz AG" vorübergehend ohne Strom. Am Achensee gerieten gleich mehrere Boote in Seenot. Verletzt wurde niemand.

Im Tiroler Unterland gewitterte es besonders stark in den Bezirken Schwaz, Kufstein und Kitzbühel. Zahlreiche Bäume sind umgestürzt, im Bereich Wörgl wurden mehrere Häuser abgedeckt. Einige Straßen mussten wegen der umgestürzten Bäume oder wegen Überflutungen gesperrt werden. Feuerwehr und Polizei standen im Dauereinsatz.

In Neustift im Stubaital (Bezirk Innsbruck-Land) war bereits am Nachmittag durch einen Blitzschlag im "Kampler Wald" auf einer Seehöhe von rund 1.700 Metern ein Waldbrand ausgebrochen. Das Feuer breitete sich im unwegsamen Gelände rasch aus. 45 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bergrettung sowie zwei Hubschrauber standen im Löscheinsatz. Personen kamen nicht zu Schaden.

Burgenland: 30-Meter-Baum fiel auf Hausdach
Einen spektakulären Zwischenfall gab es im Burgenland: In heftigen Gewitterstürmen fielen Bäume um. In Königsdorf (Bezirk Jennersdorf) brach ein etwa 30 Meter hoher Baum am Stamm ab und stürzte auf das Dach eines Bauernhauses. Dabei wurde der Dachstuhl eingedrückt und eine Stromleitung niedergerissen.

Bei dem Zwischenfall wurde niemand verletzt. Nachdem der Strom abgeschaltet worden war, konnten Feuerwehrleute aus Rudersdorf-Berg und dem steirischen Fürstenfeld den Baumstamm entfernen.

Hitze kehrt zurück - hohe Ozonwerte befürchtet
In den kommenden Tagen wird es wieder sengend heiß. Während es im Westen Österreichs bereits ab Mittwoch unbeständig werden kann und am Donnerstag Abkühlung samt Niederschlag erwartet wird, dürfte es im Osten bis zum Freitag dauern, bis die Temperaturen von knapp 40 Grad deutlich sinken. Ob es auch regnen wird, sei derzeit aber noch nicht abzuschätzen, so die Vorhersage.

Mit der dritten und nun ziemlich hartnäckigen Hitzewelle des heurigen Jahres werden die Schattenseiten der mediterran anmutenden Witterung immer deutlicher. Zu diesen zählt auch die Schadstoffbelastung der Luft. Bereits am vergangenen Wochenende wurde im östlichen Flachland stellenweise die Warnschwelle von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. Auch in den nächsten Tagen ist laut Wetterdienst UBIMET mit hohen Ozonwerten zu rechnen.

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