Wien. (temp) Maximalarbeitszeiten von 32 Stunden an Werktagen und 49 Stunden am Wochenende: Spitalsmediziner können über die aktuelle Diskussion der generellen Tagesarbeitszeiterhöhung auf zwölf Stunden nur milde lächeln. Vor allem Spitalsärztinnen leiden unter den schlechten Arbeitsbedingungen, betonte Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), am Mittwoch. Obwohl ihr Anteil stetig wachse, müssten sich die Ärztinnen weiterhin alternativlos zwischen Beruf und Familie entscheiden. Die ÖÄK fordert daher familienfreundlichere Dienstmodelle, eine Arbeitszeitverkürzung und bessere Kinderbetreuung.

Eine 52,4-Stunden-Woche


Die blanken Zahlen sprechen für sich: Bereits 60 Prozent der Turnusärzte sind weiblich, Tendenz steigend. Bei den Fachärzten sind es immerhin noch 50 Prozent - in der Führungsschicht bereits verschwindend wenige. Von den 1450 Primarärzten sind nur 198 weiblich (14 Prozent). Laut einer aktuellen Ifes-Studie wünschen sich 80 Prozent der Spitalsärztinnen eine Maximal-Dienstdauer von 25 Stunden. Sie scheinen allerdings wenig Hoffnung zu haben, gehen doch 68 Prozent nicht davon aus, ihre Tätigkeit noch mit 65 Jahren ausüben zu können.

Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit ist seit der vorigen Befragung 2010 zwar von 54 auf 52,4 Stunden gesunken - familienfreundlich ist das laut Mayer aber noch lange nicht. Brigitte Steininger, Vizepräsidentin der Kammer im Burgenland, schlägt Jobsharing vor: ein neues Arbeitszeitmodell, im Zuge dessen die Kolleginnen ihre Arbeitszeit selbst einteilen und somit Arbeit und Familie besser "unter einen Hut bringen" können. Die derzeitigen Teilzeitarbeitsstellen hingegen seien finanziell unattraktiv.

Handlungsbedarf sieht Steininger auch bei der Kinderbetreuung. Die Plätze in Betriebskindergärten seien rar. Vorzeigeland sei Deutschland, wo Kinder selbst während der Nacht betreut werden - davon sei Österreich allerdings weit entfernt.