Wien. Schwarze Zähne, Raucherlungen und Halsgeschwüre: Fotos wie diese erzürnen zurzeit Österreichs Trafikanten und führten zu massiven Protesten, weil sie laut der geplanten Novelle der EU-Tabakproduktrichtlinie künftig auf Zigarettenpackungen prangen sollen. Als Antwort darauf stellen nun Trafikanten diese in ihren Geschäften zur Schau und verwandeln sie somit in Gruselkabinette (die "Wiener Zeitung" hat berichtet).

Diese Aktion ist allerdings nur der Gipfel des Eisbergs. "Seit Jahren wird in Österreich ein erbitterter Kampf gegen Raucher und Zigaretten geführt", sagt Klaus Fischer, Präsident des Verbands der Cigarren- und Pfeifenfachhändler Österreichs (VCPÖ). Die Zahl der Raucher werde dadurch allerdings nicht dezimiert - vielmehr der Anteil der geschmuggelten und aus dem Ausland eingeführten Zigaretten erhöht, ist Fischer überzeugt. Für Österreichs Trafiken bedeute das: Ihre neben dem Lotteriegeschäft zweite wichtigste Säule fällt weg - und sie sind zum Sterben verurteilt.

Einbußen durch zusätzliche Lotto-Annahmestellen


Die Angst der Trafikanten ist berechtigt. Machten ihnen doch vor etwa einem Jahr auch die Lotterien einen Strich durch die Rechnung. Sie wollten ihre Vertriebs- und Annahmestellen auf 2237 weitere ausbauen. Zwar einigte man sich schließlich auf 1622 - Trafikanten-Obmann Peter Trinkl in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) sieht durch die Umstellung dennoch 150 weitere Standorte mit 400 Arbeitsplätzen akut gefährdet. Von der Erweiterung des Vertriebsnetzes würden nämlich hautsächlich Tankstellen, Lebensmittelgeschäfte und Postämter profitieren. Für eine ohnehin bereits angeschlagene Branche sind 150 gefährdete Geschäftsstellen nicht unerheblich. Laut Trinkl werden pro Jahr rund 200 Trafiken nicht nachbesetzt, deren Zahl ist von 10.000 vor 15 Jahren auf heute 6600 geschrumpft. Rund 2500 davon sind Tabakfachgeschäfte.

Angefangen hatte das fortschreitende Umsatzminus mit dem Briefmarkenverkauf: Seit 2001 bekommen Trafikanten dafür nur noch drei statt sieben Prozent Provision. Darauf folgte 2002 die Abschaffung des Verkaufsschlagers Stempelmarke, 2007 fiel die Einfuhrbeschränkung für Zigaretten. Dass somit heute 800 statt 200 Stück aus EU-Ländern mitgenommen werden dürfen, wo ein Packerl um bis zu zweieinhalb Euro billiger ist, rüttelte erstmals massiv am Tabakgeschäft.

Laufende Tabaksteuererhöhungen haben zudem nicht nur zu einer Erhöhung der Zigarettenpreise im Land, sondern auch dazu geführt, "dass Trafikanten nur noch zwölfeinhalb Prozent an einer Packung verdienen", sagt VCPÖ-Präsident Fischer. Bei einer Packung um vier Euro sind das gerade einmal 50 Cent.

"Preiserhöhungen werden kommentarlos akzeptiert"


Spätestens seit Erlass der Nichtraucherschutzbestimmungen 2008 ist laut Fischer klar, dass Rauchern das Rauchen verleidet werden soll. Seitdem müssen in Lokalen mit mehr als 50 Quadratmetern Grundfläche Raucher- und Nichtraucherbereiche klar getrennt sein. Dieser Umstand und dass Nichtraucher vor Belästigungen geschützt werden sollen, ist laut Fischer zwar selbstverständlich - "was seitdem allerdings betrieben wird, grenzt an Diskriminierung", sagt er.

Das Fatale daran: Die Antiraucherkampagne schieße an ihrem Ziel vorbei, ein Volk der Nichtraucher zu schaffen oder zumindest die Zahl der Raucher drastisch zu reduzieren. Preiserhöhungen etwa werden laut Fischer kommentarlos hingenommen und Schockbilder führen höchstens zu Albträumen bei Kindern. Die Reaktion darauf ist vielmehr, dass Raucher vermehrt auf gefälschte und geschmuggelte Ware aus dem Ausland zurückgreifen. Die Zahlen untermauern Fischers Behauptung: Der Anteil der hier gerauchten aber nicht versteuerten Zigaretten steigt. Laut einer Studie im Auftrag der Trafikanten und der Tabakindustrie ist bereits jede fünfte Zigarette geschmuggelt. Der Großteil stammt aus Slowenien und Ungarn.

Um das Umsatzloch zu stopfen, suchen die Trafikanten laufend nach neuen Standbeinen. Bücher, Lesebrillen, Getränke, Konzertkarten, Schokolade und Urlaubsgutscheine sind bereits fixer Bestandteil des Sortiments. Allerdings ist der Anteil beschränkt, so dürfen zum Beispiel nie mehr als zehn Bücher in der Trafik ausgestellt werden. "Der Charakter einer Trafik muss gewahrt bleiben", heißt es von der WKO, "mit Zigaretten, Lotto, Toto und Zeitungen als Blickfang."