Wien. Mit Pinsel und Kleister wird eine Schaufensterpuppe in Zeitungspapier gehüllt, ihr Kopf ist bereits voller Schlagzeilen und wird im nächsten Schritt trockengeföhnt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und die Achtklässler des Gymnasiums Franklinstraße verraten der "Wiener Zeitung" vorab: Die Zeitungs-Puppe symbolisiert den Medien-Wirrwarr, bei der Performance am Mittwoch werden Wahlreden zu hören sein. "Die Tonspuren liegen übereinander, richtig versteht man aber nichts", erklärt Kerstin*, "denn Politiker sagen viel, aber meist nur leere Worte."

Ebenfalls leer steht üblicherweise das Kellergassenlokal in Wien-Floridsdorf, in dem die Schülerinnen und Schüler an diesem Nachmittag an ihren Projekten arbeiten. Dass dieser Ort für den Unterricht in Bildnerischer Erziehung (BE) gewählt wurde, ist kein Zufall, erklärt Eva Kirchmaier: "Das Arbeiten außerhalb der Schule ist anders. Wir haben keinen 50-Minuten-Takt, sondern vier Stunden geblockt, die Pausen sind selbstbestimmt." Die junge BE-Lehrerin wollte mehr Kunstvermittlung in der Schule, also gründete sie mit drei Kolleginnen und einem Medienpädagogen die "Forschungswerkstatt".

Zwischennutzung: Kunst-Atelier statt Baustelle

Die Scheibtruhe und Kabelrollen zur Seite geschoben, an den Wänden hängen Schlagworte zu Demokratie: Einst eine Baustelle, nun ist das Kellergassenlokal in der Brünnerstraße eine Demokratiewerkstatt. Bevor die Schülerinnen und Schüler hier an künstlerischen Arbeiten zum Thema arbeiteten, diskutierten sie mit Politikwissenschafterin Stefanie Wöhl von der Uni Wien über Demokratie. Doch an Politik mussten sie nicht erst herangeführt werden: "Unser Klassenvorstand ist sehr engagiert und will, dass wir uns engagieren", sagt Rebecca, während sie "Ja" und "Nein" auf Post-its schreibt. Damit will sie bei der Performance auf Wahl- und Wechselwähler aufmerksam machen.

Die 17-Jährige gehört zu rund 348.000 Jungwählern in Österreich, die am 29. September ihre Stimme zum ersten Mal abgeben dürfen. Ihr gefällt die Wahlwerbung der Grünen, weil diese "andere Parteien verarschen". Weniger gut finden die meisten das Magazin "Eva", mit denen sich die Grünen an Junge richten: "Peinlich", lautet das Urteil.

Meltem findet, dass Jugendliche und ihre Anliegen von Politikern zu wenig ernst genommen werden. Vielleicht die Erklärung dafür, dass ein Drittel der etwa 200 Wahlberechtigten des Gymnasiums angaben, ungültig wählen zu wollen. Der Schulsprecher Markus zitiert damit eine Umfrage, die er an der Schule für die Schülerzeitung durchgeführt hat. Der Rest will demnach die SPÖ oder die Grünen wählen, und nur zwei Schüler hätten angegeben, die Stimme der ÖVP zu geben.