"Wiener Zeitung": Herr Binder-Krieglstein, die Geiselnahme im Bezirk Melk in Niederösterreich zeigt einmal mehr den Konflikt Medienberichterstattung und Kriminaltaktik auf: Leser wollen informiert werden, gleichzeitig darf man aber das Leben einer Geisel nicht gefährden.

Cornel Binder-Krieglstein: Grundsätzlich sollte man nur die Infos weitergeben, die die Polizei freigibt. Das Problem der Medienberichterstattung ist, dass dem Geiselnehmer eine Oberfläche geboten wird, auf der er sich darstellen und Forderungen stellen kann. Auch wenn sein Unterschlupf, in dem er sich verschanzt, überall in den Medien zu sehen ist, ist das ungünstig.

In dem konkreten Fall wurde vorerst verschleiert, dass der Täter drei Personen erschossen hatte. Das Innenministerium bat um Diskretion, bis bekannt wurde, dass die Geisel ebenfalls tot war.

Das ist verständlich. Jede negative Meldung kann den Geiselnehmer veranlassen zu denken: "Jetzt ist eh schon alles egal."

Die Geisel hat er offensichtlich aus dem Affekt heraus genommen und erschossen. War es seine ausweglose Situation, die ihn dazu trieb?

Die Geisel hätte die Möglichkeit einer Verhandlungsbasis geboten - und die Sicherheit, nicht durchsiebt zu werden.

Worauf kommt es jetzt bei den Verhandlungen an?

Ziel ist, erst einmal in ein Gespräch mit dem Mann zu kommen, um seine Wünsche herauszufinden und Alternativen aufzuzeigen - dass es unmöglich ist, straffrei nach Hause zu gehen, ist ihm vermutlich selbst klar.