Großpriel. Der 17. September 2013 geht als schwärzester Tag zumindest der jüngeren Geschichte in die Annalen der Polizei ein. Drei Beamte wurden am Dienstag in Niederösterreich bei dem Versuch erschossen, einen in Annaberg im Bezirk Lilienfeld sein Unwesen treibenden Wilderer zu fassen. Laut einer bis ins Jahr 2000 zurückreichenden Statistik des Innenministeriums starben noch nie so viele Beamte bei einem einzigen Einsatz.

Der Polizeieinsatz wird evaluiert, kündigte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, am Mittwoch an. Man habe die Gefährlichkeit des Täters nicht unterschätzt, da in der Gegend bereits ein Mordversuch auf einen Jäger verübt worden war. Deshalb sei auf das Einsatzkommando Cobra zurückgegriffen worden. "Es hat sich gezeigt, dass diese Einschätzung richtig war."

Ob der Mordversuch von dem gesuchten Wilderer verübt wurde, müsse noch geklärt werden, u.a. durch ballistische Untersuchungen. Der Verdächtige habe jedenfalls laut Kogler kein typisches Täterverhalten gezeigt, indem er sich nach dem ersten Angriff nicht vom Tatort entfernt habe. Mehrere Polizisten hatten sich um ihren angeschossenen Kollegen gekümmert und Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt. Der Verletzte wurde aus dem Gefahrenbereich hinter ein Fahrzeug gebracht und auch das angeforderte Rettungsauto hätte als Barriere dienen sollen.

Doch bereits beim Zufahren der Ambulanz, die eindeutig als Sanitätsfahrzeug zu erkennen war, wurde ganz gezielt auf Höhe des Fahrers durch das Fenster geschossen. Das Projektil traf den 70-jährigen Sanitäter tödlich.

"Gestern war ein sehr fordernder Tag - es ist einmalig in der Zweiten Republik, dass an einem Tag drei Polizisten und ein Sanitäter getötet wurden", sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit. Das weitere Vorgehen sei sehr professionell erfolgt, vom Versorgen der Verletzten über die Peilung bis zur Hausdurchsuchung.

Nun werden die kriminalpolizeiliche Erhebungen durchgeführt, bevor der Fall an die Staatsanwaltschaft geht. Parallel wird das Evaluierungsverfahren gestartet und entsprechende Schlüsse daraus gezogen, betonte Kogler. Dabei geht es nicht nur um etwaige Fehler, sondern auch darum, was trotz der tragischen Ereignisse besonders gut gelaufen ist. Dies wolle man mitnehmen und in die Ausbildung einfließen lassen.