Wien. Die Globalisierung macht auch vor Baum-Schädlingen nicht halt: Pflanzenhandel und Tourismus bringen Pilzkrankheiten nach Österreich, die in den Ursprungsländern oft harmlos sind, aber den Bestand heimischer Gehölze bedrohen, so Thomas Cech vom Bundesforschungszentrums für Wald anlässlich der 3. Österreichischen Neobiota-Tagung, die gestern, Donnerstag, in Wien stattfand.

"Eine besonders gefährliche Gruppe von Pilzen sind Phytophthora-Arten", sagte Cech, der am Institut für Waldschutz des Forschungszentrums arbeitet. Der griechische Name Phytophthora heißt auf Deutsch übersetzt "Pflanzenzerstörer". In Österreich würden vor allem die Erlenbestände entlang der Gewässer davon stark dezimiert, erklärte er. Die Pilze befallen die Bäume vom Boden aus, zerstören ihre Wurzeln und die Rinde an der Basis der Stämme.

Gefahr in Baumschulen und Gärten
Die Krankheit wurde in Europa verbreitet, weil in Baumschulen in Nordwestdeutschland und den Niederlanden offensichtlich infizierte Bäume gezüchtet wurden. Mit diesen hat man in Bayern nach schlimmen Windschäden ganze Wälder aufgeforstet. "Diese Bäume waren alle infiziert und dadurch sind nach einigen Jahren Millionen von Bäumen eingegangen", sagte Cech. Später habe sich der Pilz auf natürliche Art ausgebreitet – indem Billionen seiner Sporen bei Hochwasser flussabwärts gespült werden, wo sich manche davon in der Rinde gesunder Erlen wiederfinden und diese befallen. So konnte der Pilz auch nach Österreich kommen.

Wenn in Baumschulen und Pflanzgärten verschiedene Phytophthora-Arten zusammenkommen, die bisher in unterschiedlichen Regionen verbreitet waren, können sie eine neue Hybrid-Art mit veränderten Krankheits-Fähigkeiten hervorbringen, erklärte der Experte. Erst heuer habe man herausgefunden, dass eine Art, aus der dieser Ulmenschädling hervorgegangen ist, offensichtlich aus Alaska eingeschleppt wurde, woher die zweite Art des Hybrids stammt, sei noch unbekannt.

Bekämpfen oder gar ausrotten könne man solche Krankheiten kaum, so Cech. Die Bäume mit der "chemischen Keule" zu behandeln würde wenig bewirken, dies würde in Österreich erfreulicherweise auch nicht gemacht. "Man kann nur das befallene Material aus dem Wald herausschaffen und damit die Zahl der neuen Infektionen reduzieren", sagte er. Dies hilft vor allem bei Pilzen, die sich nur durch Kontakt oder über kurze Strecken verbreiten können. "Bei der neuesten invasiven Art in Österreich, die das Eschentriebsterben verursacht, werden die Pilzsporen aber vom Wind viele Kilometer weit verbreitet", erklärte Cech.

"Das Eschentrieben hat sich wie eine rasende Walze innerhalb von wenigen Jahren in ganz Europa ausgebreitet", sagte er. In Österreich sei der Auslöser erstmals 2005 nachgewiesen worden. Die Universität für Bodenkultur Wien habe zwei Jahre später gezeigt, dass es sich um eine für Europa neue Pilzart handelt. Der Erreger stammt aus Japan, wo er "völlig harmlos" ist, weil die Bäume sich durch die natürliche Auslese gut an diese Pilze angepasst haben, erklärte der Experte.

Es habe einige Zeit gedauert, bis man draufgekommen ist, was die Krankheit auslöst, denn in Europa gibt es einen Pilz, der genau so aussieht, aber bloß die Blätter befällt. "Die Pilzart aus Japan ist aber imstande, Triebe, Zweige, Äste und sogar ganze Bäume zum Absterben zu bringen", sagte er. Der sogenannte Chalara-Pilz zerstöre die Rinde und tiefer liegendes Gewebe. "Wenn man durch die Auen geht, sieht man überall dürre Kronen – das macht einzig und allein diese Pilzart", so Cech. Was die Bestände retten könnte, sei, wenn sich Pilz-resistente Bäume vermehren, aber auch trockene Frühsommer könnten den Pilzbefall verringern, meint er.

Vergleichsweise harmlos seien hingegen Mehltau-Pilze, die aus Amerika eingeschleppt wurden und seit Anfang des Millenniums die heimischen Rosskastanien heimsuchen, die ohnehin seit den 1990er Jahren unter der Miniermotte zu leiden haben. In Österreich befielen die Pilze zuerst die Bäume in der Prater Hauptallee mitten in Wien. "Mehltaupilze verbreiten sich durch Sporen über die Luft und werden von Tieren verschleppt", erklärte Cech. Aber auch von Touristen aus Übersee, die sich gleich nach ihrem langen Flug im Wiener Prater die Beine vertreten.