Wels. Sieben Mitglieder des rechtsextremen Netzwerks "Objekt 21" aus dem Bezirk Vöcklabruck müssen sich seit Mittwochvormittag wegen Wiederbetätigung vor dem Landesgericht Wels verantworten. Der dreitägige Geschworenenprozess hat am Vormittag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und großem Medieninteresse begonnen. Den Beschuldigten, von denen sich zwei auch wegen Vergehen nach dem Waffengesetz verantworten müssen, drohen bis zu zehn Jahre Haft. Ein Urteil wird für Freitag erwartet.

Schon eine halbe Stunde vor Verhandlungsbeginn warteten mehrere Dutzend Zuschauer und Medienmitarbeiter vor dem Saal. Etliche Polizisten überwachten die Vorgänge. An der Tür zeigten Schilder an, dass die Mitnahme von Mobiltelefonen, Laptops, Fotoapparaten und Getränken untersagt und der Zutritt nur mit Lichtbildausweis erlaubt ist. Alles, was zu einer Übertragung aus dem Saal geeignet ist, musste abgegeben werden. Zudem war Sicherheitspersonal mit Metalldetektoren im Einsatz.

Die Angeklagten im Alter von 23 bis 33 Jahren waren bei ihrem Eintritt in den Verhandlungssaal teilweise mit Schals und Sonnenbrillen vermummt. Dennoch blitzen einschlägige Tätowierungen hervor. Es handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um den harten Kern des mittlerweile aufgelösten "Objekt 21". Sie haben demnach von 2008 bis 2010 an Veranstaltungen teilgenommen, bei denen die NS-Ideologie verherrlicht wurde. In ihrem Partyraum sollen Nazi-bzw. SS-Devotionalien, u.a. Bilder, Waffen und Fahnen, aufgehängt gewesen sein. Die Grillstelle im Garten sei in Form einer "Schwarzen Sonne" - eines NS-Symbols - angelegt und am Eingang die Reichskriegsflagge gehisst gewesen, so der Vorwurf. Man habe Propagandamaterial bereitgehalten und einschlägige Lieder gespielt und verbreitet. Dazu komme das Vorzeigen nationalsozialistischer Symbole und Tätowierungen sowie Hitlergrüße.

Angeklagte bekannten sich "nicht schuldig"

Die Angeklagten im Alter von 23 bis 33 Jahren, die großteils vermummt erschienen, haben sich zu Prozessbeginn nicht schuldig bekannt. Die beiden mutmaßlichen Rädelsführer, die in U-Haft sind, überließen das Reden großteils ihren Verteidigern. Der Tenor der übrigen lautete, sie hätten nichts gewusst und ihnen sei nichts aufgefallen. Im Lauf des Tages standen noch weitere Beschuldigteneinvernahmen auf dem Programm.

In der Anklage wurde u.a. das Partyzentrum des - laut Eigendefinition - Kultur- und Freizeitvereins "Objekt 21" beschrieben: Unter anderem prangten dort Sprüche wie "Der Führer hat immer recht" an der Wand oder eine Karikatur, die einen SS-Soldaten zeigt, der mit einem Bajonett gegen einen Juden vorgeht. Auf einem Computer waren Lieder gespeichert, die bei Partys gespielt wurden und Titel wie "Der ewige Jude" oder "Hurra, hurra, ein Neger brennt" haben.