Wels. Der Wiederbetätigungsprozess um das "Objekt 21" ist am Freitagnachmittag im Landesgericht Wels auf 4. November vertagt worden. Nachdem die Verteidigung eine Abänderung des Fragenkatalogs verlangt hatte, verschob die Richterin aus zeitlichen Gründen die restlichen Programmpunkte. Ursprünglich war das Urteil für Freitag geplant.

Der seit Mittwoch laufende Prozess, in dem zahlreiche Zeugen aus dem Umfeld des "Objekt 21" befragt wurden, war bisher von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Die Angeklagten im Alter von 23 bis 33 Jahren bekannten sich zur Wiederbetätigung nicht schuldig, die beiden Hauptbeschuldigten gaben zu, illegal Waffen besessen zu haben. Letztere zeigten auch ihre Glatzen und Tattoos, während die übrigen hochgeschlossen im Saal saßen und nur gelegentlich das Hervorblitzen einschlägigen Körperschmucks nicht verhindern konnten

Unliebsame Mieter für Vater von Stefan Ruzowitzky

Aufgeflogen war die Gruppe, als bei einer Polizeikontrolle 2009 eine Kiste mit Nazi-Devotionalien und verbotenen Waffen im Wagen der Hauptangeklagten gefunden wurden. Im Lauf der Ermittlungen stellte sich heraus, dass sich der laut Eigendefinition "Kultur- und Freizeitverein" in einem Bauernhof im Bezirk Vöcklabruck eingenistet hatte. Das Haus gehörte ausgerechnet dem Vater von Regisseur Stefan Ruzowitzky, der für sein KZ-Drama "Die Fälscher" einen Oscar erhielt. Er wurde die unliebsamen Mieter erst mit einer Delogierung los.

Das Lokal wurde von mehreren Zeugen weitgehend übereinstimmend beschrieben: An den Wänden prangten demnach Sprüche wie "Der Führer hat immer recht" oder die mit dem Vereinslogo versehene "Reichskriegsflagge". Zudem sollen rechte Liederabende dort stattgefunden haben, die aber niemand organisiert haben will. Ebenso wie niemand "Sieg Heil!"-Rufe dort gehört haben, obwohl sie auf Video aufgezeichnet worden sein sollen.

Kriminelles Rotlichtnetzwerk

Im Zusammenhang mit dem "Objekt 21" steht auch ein kriminelles Rotlichtnetzwerk, dem zahlreiche Straftaten zugeordnet werden. Die beiden Hauptangeklagten zählen auch in diesem Verfahren zu den wichtigsten Beschuldigten. Einige Zeugen gaben tiefe Einblicke in das System: So sollen Runen-Tattoos etwas über die Rangordnung aussagen. Um in der Hierarchie aufzusteigen, habe man "kriminelle Sachen" machen müssen, schilderte etwa ein ehemaliger Weggefährte der Angeklagten, der mittlerweile zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. Eine andere Auskunftsperson sagte, sie habe in Telefonaten Worte wie "Escort-Service, Geldeintreiben und Aufräumen in Lokalen" aufgeschnappt.

Die beiden Hauptangeklagten überließen das Reden im Prozess über weite Strecken ihren Verteidigern. Erst gegen Ende platzten sie bei Zeugeneinvernahmen mehrmals mit Wortmeldungen heraus. Die anderen fünf Männer auf der Anklagebank gaben sich weitgehend unwissend. Einer will nur für den Bier-Nachschub verantwortlich gewesen sein, andere für gar nichts. Nazi-Armbinden, Hitlergrüße etc. seien ihnen keine aufgefallen, die Bedeutung ihrer Tattoos wollen sie nicht gekannt haben.